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Kunstkopf-Stereophonie



Foto: Kopfhörbär

Die kopfbezogene Stereophonie begann im Hörspiel 1973 mit Alfred Besters Demolition.

Der Kunstkopf ist in seinen Abmessungen, Form und seinem spezifischen Gewicht dem menschlichen Kopf eines Erwachsenen sehr genau nachgeformt. Das Kunstkopfmikrophon ist anstelle der beiden Gehörorgane mit Mikrophonen ausgestattet.

Hörspiele und Feature, die mit einem Kunstkopf aufgenommen wurden, sollten mit einem (geschlossenen) Kopfhörer abgehört werden, da nur hier der beabsichtigte extrem räumliche Klangeindruck entsteht.


Aktuelle Sendetermine:

Walter Adler - Centropolis

Alfred Bester - Demolition

Arthur Schnitzler - Leutnant Gustl

Die letzten Sendetermine:

Walter Adler - Centropolis

Samuel Beckett - Warten auf Godot

Arthur Schnitzler - Leutnant Gustl

Aldo Gardini - Riminiszenzen


Kunstkopf-Links


Quadrophonie-Links


Surround-Links


Collage: Kunstköpfe

Beschreibungen


Die Akademie

von Ronald Steckel
Produktion: BR/RIAS 1979 | 142:55
Regie: Ulrich Gerhardt
Komposition: Peter Michael Hamel

Die Akademie (Kurzfassung)
Regie: Ulrich Gerhardt
Remix: Ulrich Gerhardt - DLRB 2003 - 72:02

Das Hörspiel ›Die Akademie‹ wurde in enger Zusammenarbeit zwischen dem Autor Ronald Steckel und dem Komponisten Peter Michael Hamel entwickelt.
Musik spielt die eigentliche Hauptrolle: Der Komponist Adler, der sich in einem Institut für funktionelle Musik mit elektronischer Komposition beschäftigt, lernt weit außerhalb der Stadt eine Gruppe von Menschen kennen, die die Grundlagen und Anfänge der Musik erforschen. Adler erkennt, daß er Ähnliches anstrebt wie sie, sich durch seine tägliche Arbeit aber immer weiter davon entfernt. ›Arbeit an sich selbst‹ scheint in jener 'Akademie' gleichen Wert zu haben wie die direkte Auseinandersetzung mit ältesten und jüngsten Werken aus allen Musikkulturen, mit ambrosianischen Hymnen, indischer Sitar-Improvisation, mit Skrjabin und afrikanischer Rhythmik, mit der Kunst der Improvisation und der Aufführung. Adler begreift in einer Kette schmerzhafter und bedrängender Erlebnisse, daß seine Existenzform auch seine Fähigkeit zu ›hören‹ bestimmt und daß eine Weiterentwicklung seiner musikalischen Arbeit nicht möglich ist ohne eine Transformation der eigenen Person.

Ronald Steckel (*1945) international bekannter intermedialer Künstler und Regisseur. Zu seinen Veröffentlichungen gehören Bücher, Essays, HörStücke und Features, Kompositionen für Theaterstücke, Klang-Installationen, Konzert-Performances und Theaterstücke. Ausgezeichnet 1986 mit dem Förderpreis des Berliner Kunstpreises der Akademie der Künste. Seine in den letzten Jahren realisierten HörStücke basieren häufig auf Originalaufnahmen, die er elektronisch bearbeitet. Seine Beziehung zu asiatischer Philosophie kennzeichnet den künstlerischen Duktus seiner oft meditativen Klangkompositionen. Für das Studio Akustische Kunst (WDR) realisierte er Das Haus spricht (mit Thomas Schulz), Das Nibelungen-Projekt, Das China-Projekt, Das Ohrenlicht, Schweigende Landschaft/Silent Landscape, Messe für Massen (mit Jerzy Tuszewski) und 64 Variationen.

Sendetermin:


Akaklaklak

von Agnieszka Waligórska und Pekka Sirén
Produktion: Yleis Radio/ORF Kunstradio 1991

In einer Art von Laboratorium arbeitet eine kleine Gruppe bestehend aus Technikern, Komponisten und einer Performancekünstlerin beim finnischen Ileis-Radio. Die Gruppe mit Namen ›Proton‹ hat keine ständige Sendezeit wie etwa das ORF-Kunstradio aber sie kann in den Studios des finnischen Radios oft sehr aufwendige Experimente veranstalten, die häufig mit Performances für ein Livepublikum verbunden sind. Proton hat sich der künstlerischen und technologischen Forschung verschrieben und macht daraus Radioprogramm. Zu den radiophoischen Werken, die beim finnischen Radio erarbeitet wurden, zählt zum Beispiel die Arbeit ›Easy money‹: Eine radiophone Phantasie über einen Börsianer, der einen Alptraum hat, nämlich genau am schwarzen Montag als alle Börsen auf der ganzen Welt zusammenbrachen. Die Gruppe Proton tritt auch bei zahlreichen internationalen Festivals mit zum Teil sehr aufwendigen Livebeiträgen auf. Beim Festival Audiobox in Matera das von der italienischen Rundfunkanstalt RAI veranstaltet wurde gab es Proton Klanglandschaften auf dem immer noch als Treffpunkt benützten Hauptplatz der Stadt. Und es gab ein auf den Briefen von Frauen an ihnen unbekannte finnische Frontsoldaten basierendes Riesenspektakel über die eindrucksvolle Schlucht von Matera hinweg. Die eigentlichen Antriebskräfte von Proton sind der Komponist Pekka Siren und seine Frau Agnieszka Waligorska. Zusammen haben sie eine ganz eigenständige Aufnahmetechnik entwickelt, die den Performancetendenzen der Waligorska sehr entgegenkommt. Sie macht für die Studioaufnahmen mit Hilfe der Kunstkopftechnik eine eigene Soundchoreographie. Die Waligorska wird zum tanzenden Kunstkopf und erreicht damit eine sehr eigenartige Aufnahmedynamik. Am besten sind die Stücke der Proton folgerichtig mit Kopfhörern zu konsumieren.

Kommen wir nun zu ›Akaklaklak‹ von Agnieszka Waligorska und Pekka Siren: »Dies ist eine radiophonische mythologische Komposition, ein Hörspiel oder noch besser ein experimentelles Hörspiel. Es beruht auf einer Kollage verschiedener Mythologien, die in aller Welt bekannt sind. Es ist eine Synthese der ungeschriebenen Menschheitsgeschichte. Die immer wieder verbotene Geschichte von der Rückkehr vom Tode. Eine Liebesgeschichte, worin die Liebe so stark ist, daß sie den Tod überwindet. Es handelt sich zudem um eine Geschichte aus der Zeit, in der der Schamane, der Zauberer des Stammes, die Geschichte dokumentierte und zugleich Ratschläge für die Zukunft gab. Es ist eine Geschichte aus der Zeit in der ein weißer Adler den Toten auf seinem Rücken nach Norden trug. In den Norden wo das Meer und der Himmel aufeinander stoßen. An einen Ort von dem es keine Wiederkehr gibt.«

»Der Name ›Akaklaklak‹ ist eine Kombination aus zwei Namen. Aka die Heldin dieser Geschichte und Kala ein Mann des Fischclans der von den Männern des Rentierclans getötet worden ist. Diese Geschichte wurde für das Radio geschrieben also für die Ohren nicht für die Augen. Was an dieser Geschichte wichtig ist sind die Bilder, die eigene Vorstellungskraft. Wir wollen im Kopf des Hörers eine imaginäre Geschichte entstehen lassen. Wir möchten die Hörer dazu bewegen, sich hineinzu versetzten und verwenden dazu unsere Stimmen, eigens komponierte Musik genauso wie Naturklänge. Wir haben eine Atmosphäre geschaffen und wir hoffen, daß dieses Stück schöne, dunkle und farbige Bilder erzeugen kann. Oder aber auch Bilder an die wir selbst gar nicht gedacht haben, die wir uns gar nicht vorstellen können. In dem Moment in dem die Leute das Radio einschalten, können sie ihre Ohren öffnen und ihre Augen schließen und in ihrem Kopf werden Bilder und Szenen tanzen. Das ist die Schönheit des Hörspiels. Man kann die allerschönsten Bilder erleben und man hat sie selbst geschaffen. Die Tatsache, daß wir für das Ohr schreiben, hat wahrscheinlich dazu beigetragen, daß unser Stück für verschiedenste Menschen und Kulturen verständlich ist. Akaklaklak reist um die Welt, vielleicht weil die Geschichte irgendwie bekannt ist. Jeder Mann jede Frau erkennt sie. Sie gehört zu einem Wegabschnitt der den verschiedensten Teilen der Menschheit gemeinsam ist.«

Die deutschsprachige Version der radiophonen Mythologie ›Akaklaklak‹ wurde speziell für das ORF-Kunstradio von Agnieszka Waligorska und Pekka Siren von der Gruppe Proton aus Finnland erstellt.

Sendetermin:


Alpha - ein Kopfhörstück

von Liesl Ujvary
Produktion: ORF 1990 (Kunstradio)

Die Rhythmen, die Liesl Ujvary in ihrem Stück ›Alpha‹ einsetzt, stammen aus einer sog. ›mind-machine‹ oder ›Intelligenzmaschine‹ - Maschinen, deren unterschiedliche Well-Frequenzen zur Steuerung des menschlichen Gehirns bzw. zur Herstellung verschiedener Bewußtseins-Stadien vom hellwachen bis zum mediativen und schlafähnlichen Zuständen dienen können. Die sogenannten ›Beta-Wellen‹ entsprechen dem normalen Wachzustand, die ›Alpha-Wellen‹ hingegen einem ruhigen kreativen Wachzustand, die ›Delta-Wellen‹ dem Zustand kurz vor dem Einschlafen verbunden mit hyonagogen Bildern, die aus dem Unterbewußtsein stammen.

Liesl Ujvary verwendete dabei mehrere verschieden Varianten des Programms ›Kreativität‹ einer mind-maschine: »Ich deklariere diese Rhythmen zur Kunst« (Zitat Liesl Ujvary). ›Alpha - ein Kopfhörstück‹ bezieht sich auf die zunehmende Verknüpfung der Bereiche Kunst und Technologie bzw. Kunst und Natur, wenn man das menschliche Gehirn als Teil der Natur ansieht. ›Alpha - ein Kopfhörstück‹ wurde mit einem Kunstkopf aufgenommen, warum die Autorin Liesl Ujvary auch den Gebrauch eines Kopfhörers beim Abhören empfiehlt.

Sendetermin:


Cover: An einem Tag im Sommer in einem Garten

An einem Tag im Sommer in einem Garten

von Don Haworth
Übersetzung aus dem Englischen: Marianne de Barde und Hubert von Bechtolsheim
Regie: Albrecht Surkau
Produktion: Rundfunk der DDR 1981 | 51'30

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Darsteller: Kurt Böwe, Wolfgang Brunecker, Renate Pick

Der Titel verspricht Idylle. Der Sommertag im Leben eines Gartens, diesmal aber nicht aus der Perspektive des Menschen geschildert. Diese Produktion in Kunstkopf-Stereofonie öffnet eine überraschende Perspektive auf die breite Palette der Gefühle. Bedrohung, Schadenfreude, Mißgunst, Sentimentalität, Mut und Solidarität, all das findet sich auch im Leben der Pflanzen, die die Helden dieses Hörspiels sind.

Don Haworth stammt aus Liverpool. Bekannt wurde er mit Fernseh-Dokumentationen über den algerischen Befreiungskrieg und die kubanische Revolution. Für das Hörspiel ›Salamander-Hotel‹ erhielt er 1977 den zum ersten Mal verliehenen Preis für das ›Hörspiel des Monats‹.

Sendetermin:

ISBN 3-934492-01-0 (Hörzeichen - HörZeichen hat seine Verlagstätigkeit zum 31. Dezember.2009 eingestellt)


Auf dem Chimborazo

von Tankred Dorst
Produktion: BR/RIAS/SDR 1974 | 72 Minuten
Regie: Ulrich Gerhardt

Ein Stück Alltag aus der Geschichte der Bundesrepublik. Mehrere Personen besteigen einen Berg nahe der Grenze zur DDR. Wenn es dunkel wird, will man da oben ein Feuer anzünden als Gruß für die Freunde ›drüben‹, in dem ebenfalls nahe der Grenze liegenden Heimatort, den man vor Jahren verlassen hat. Das gemeinsame Vorhaben regt zu Gesprächen an. Eine ganz normale deutsche Familie, so scheint es. Berta, die Mutter, schwärmt von einer erlebnisreichen Vergangenheit. Ihre beiden Söhne, Tilman und Heinrich, haben es im Leben zu etwas gebracht, sie tragen Verantwortung, wie es sich für Männer in ihrem Alter gehört. Nur Klara, die Freundin Bertas, scheint ein wenig zu kurz gekommen. Doch allmählich zerbröckelt die harmonische Fassade. Sie erweist sich als Selbsttäuschung, hinter der Verbitterung und Lebensangst lauern.

Dorothea Merz: Katharina Brauren
Tilmann: Gert Haucke
Heinrich: Peter Heusch
Klara Falk: Charlotte Joeres
Irene: Christiane Blumhoff

Sendetermin:


Berlin hören - Ein langer Tag im Berlin des Jahres 1976

Impressionen von Klaus Krüger und Hans Ulrich Minke
Regie: Hans Ulrich Minke
Schnitt: Ruth Hofmann
Ton und Mischung: Klaus Krüger
Ton: Alfons Steffens
Produktion: Rias Berlin/SFB/Deutsches Rundfunkmuseum 1976 | 50 Minuten

Das Berlin der Zwanziger Jahre sah Walter Ruttmann 1927 in seinem berühmten Film ›Berlin. Symphonie einer Großstadt‹ als eine hektische, fortschrittsgläubige, technikbesessene Metropole. Fünfzig Jahre später zeigt sich West-Berlin den Autoren von ›Berlin hören‹ von einer elegischen, eher provinziellen Seite. in dem die technische Besessenheit einen depressiven Charakter annimmt,in dem das Bewußtsein der Zwanziger Jahre kaum mehr auffindbar ist. Eine Stadtlandschaft, in der die leisen Töne überwiegen. Die Autoren haben im Winter 1976 mit dem Kunstkopf-Mikrofon die unterschiedlichsten Stadt-Szenerien aufgesucht und aufgezeichnet.
Ort: Berlin. Zeit: um die Jahreswende 76/77. 25 Tage waren die Autoren unterwegs, um bei Tag und bei Nacht zu belauschen, was Berlin zu dröhnen und zu säuseln, zu singen und zu plärren, im Ernst und im Spaß zu sagen hat. 269 Stunden mußte der Kunstkopf seine ´Ohren spitzen´. Und fast ebensoviele Arbeitsstunden wurden dann noch für die Mischung benötigt. Mit dem Mikrophon wird eine Geschichte erzählt: Havelufer - Flughafen - Stadt - S-Bahn - Fruchthof - Kaufhaus - U-Bahn - Türkenmarkt - Kirche - Avusrennen - Trabrennbahn - Zoo - Orchesterprobe in der Philharmonie - Theaterprobe - Sprengung - Olympiastadion - Catchen - Künstlerlokal - Oper - Morgenstimmung nach dem Besuch der Kellerkneipe.

Sendetermin:


Bestandsaufnahme

von Christoph Söhngen
Ein Hörstück in Kunstkopfstereophonie
Musik und Realisation: Christoph Söhngen
Produktion: HR 2001 | 49:19

The Artist's Corner‹ stellt im 2. Quartal 2001 junge Audio-Künstler aus der hessischen Club- und Elektronikszene mit ihrem ›Hörspiel-Debut‹ vor.
Die kleine Reihe mit Audio-Künstlern aus der hessischen Club- und Elektronikszene beschließ ›Bestandsaufnahme‹, ein Sound-Hörspiel in Kunstkopfstereophonie von Christoph Söhngen. Christoph Söhngen, Jahrgang 1974, lebt in Griesheim bei Darmstadt. Er beschäftigt sich seit längerem mit elektronischer Musik und Alltagsgeräuschen, die oft in seine Ambient-Projekte miteinfließen. Unter dem Künstlernamen ›Soehngenetic‹ hat er diverse Tracks und LPs bei dem Label Elektrolux herausgebracht und hat u.a. mit Markus Remscheid auf der SPEX CD-ROM 11/2000 im Sonderkanal ein kleines Programm namens ›Cutuploop-Machine‹ veröffentlicht.

Für ›The Artist's Corner‹ hat Söhngen eine beinahe vergessene Aufnahmetechnik aus den 70er Jahren wieder aufgegriffen: die Kunstkopfstereophonie. Diese Technik ermöglicht mit einer speziellen, dem menschlichen Ohr nachempfunden Mikrophonik eine beinahe räumliche Aufnahme des akustischen Geschehens. Um den gleichen Effekt bei der Widergabe zu erzielen, bedarf es jedoch eines Kopfhörers.
Christoph Söhngens ›Bestandaufnahme‹ ist der unbeschwerte Versuch, diese Technik aus dem Geist der jüngeren, gerade mit der neuesten Studioelektronik vertrauten Generation wieder lebendig zu machen. Diese Generation von Komponisten nutzt, was es gibt - jenseits alter ideologischer Realismusverdikte. Söhngen forscht dabei nach alltäglichen, kaum noch bewußt wahrgenommenen akustischen Begebenheiten wie die Fahrt mit der Straßenbahn, das Klicken ihrer Tür, der Wald, die Straße, Menschenstimmen. Den ›Dreck‹ der Aufnahmen bewußt miteinbeziehend, be- und verarbeitet Söhngen sie musikalisch am Computer, wobei neben Drumloops diverse Audio-Software, Sampler und Effektgeräte zum Einsatz kommen.

Sendetermin:


Brain Study

von Julian Klein
Produktion: HR 2002 | 48:30 Minuten
Regie: Julian Klein

»Der Schlaf der Spieler steuert den Schlaf des Systems. Und ihre Träume bilden den Traum des Netzes.« (Julian Klein)

›Brain Study‹ ist eine Klanginstallation für Kopfhörer und besteht aus einem räumlichen Modell des menschlichen Gehirns. Dessen biologische Funkionsweise, die sich von den hirngesteuerten Erlebnis-Inhalten diametral unterscheidet, wird in ihrer Fremdheit sinnlich erfahrbar gemacht.

Eine medizinische Meßtechniken verwendende, eigens für dieses Hörspiel-Projekt weiterentwickelte Elektronik übersetzt die neuronale Aktivität eines Gehirn-Ensembles in Klang und erzeugt - mit Stereo-Kopfhörer gehört - die Illusion eines dreidimensionalen Gehirn-Modells, mit dem Hörer in der Mitte. Die Aktivitäten der Hirnareale sind jeweils dort zu hören, wo sie sich im Gehirn des Hörers befinden. Der Hörer wird so selbst zum Bestandteil und Zentrum der Installation: Er nimmt die biologischen Strukturen seiner eigenen Wahrnehmung wahr.

Das Hörspiel wird zweimal zu hören sein. Zwischen erster und zweiter Sendung werden die hirnphysiologischen Aspekte des Experiments erläutert. Was zunächst als Geräuschkomposition erlebt wird, erhält dadurch seine wissenschaftlich-technische Fundierung.

Der Komponist und Hörspielmacher Julian Klein, geboren 1973, studierte unter anderem bei Heiner Goebbels und Wolfgang Rihm. 2002 erhielt er den Kurt Magnus Preis des Hessischen Rundfunks.

Sendetermin:


Centropolis

von Walter Adler
Regie: Walter Adler
Produktion: WDR/SFB/BR 1975 | 49 Minuten

Centropolis ist ein fiktives, verschärftes New York: Niemand ist hier mehr vor raubenden und plündernden Polizisten, vor blitz-schnellen Autoknackern sicher. Die ständigen Straßenschlachten und Bandenkriege verhindern Post- und Mülltransporte, und was geschieht dem, der bei einem Verkehrsunfall oder auf andere Weise verletzt, aber mit brauchbaren Organen in die Klinik eingeliefert wird?
Die allmächtige TV-Gesellschaft trägt dem Schauspieler Balt die Rolle des Ministerpräsidenten an. Die Zuschauer sind an den täglichen Auftritt des Politikers gewöhnt, darum werden Schauspieler und Statisten eingesetzt. Erst als Balt selbst ein Opfer der großen Manipulation wird, beginnt seine Frau Pat danach zu fragen, wem all diese Unternehmungen nützen, wer sie steuert, wer dafür bezahlt und für wen die vielen konservierten Organe bestimmt sind.

Walter Adler, geboren 1947, arbeitete nach seiner Lehre als Industriekaufmann als Bühnenarbeiter, Regieassistent und Schauspieler. Er schrieb zahlreiche Hörspiele und ist heute einer der bekanntesten Hörspielregisseure. Seine Kunstkopf-Produktion ›Centropolis‹ wurde 1976 mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet.

Mit: Gertraud Heise, Ernst Jacobi, Cordula Trantow, Hans Korte, Michael Degen u.v.a.

Sendetermin:


De Mortuis oder Es hat ihm nichts gefehlt

von James Joyce
Bearbeitung: Hans Jürgen Fröhlich
Regie: Heinz Hostnig
Produktion: NDR 1975 - 47 Minuten

Joyce' ›Ulysses‹ ist in 18 episch-dramatische Stationen aufgeteilt, die ihrerseits zu bestimmten Gesängen der homerischen Odyssee in symbolhafte Beziehung gesetzt sind. In dem Roman, an dem Joyce sieben Jahre gearbeitet hat, werden die Erlebnisse, Gedanken und Empfindungen des ungarischen Juden und Anzeigenmaklers Leopold Bloom, seiner Frau Marion und des jungen Stephan Daedalus im Verlaufe von 19 Stunden des 16. Juni 1904 in Dublin vorgeführt. »Vom Aufbruch Blooms in der Eccles-Street Nr. 7, der Calypso-Höhle, bis zum letzten Kapitel der Marion-Penelope, das am gleichen Ort schließt, wo das Buch beginnt, wird die wechselnde Atmosphäre auch ständig durch die Sprache suggeriert. Die rüttelnde Droschke, in der Bloom mit drei anderen schwarzgekleideten Herren zu einem Begräbnis durch die Straßen Dublins fährt - die filmartig in geradezu futuristischer Weise an dem kleinen Wagenfenster assoziierten Gedankenfetzen über den Verstorbenen und den Tod erfüllt. Die Beisetzung wird zum modernen Friedhofspanoptikum im Gehirn Blooms, wobei das Urphänomen des Todes, der Hades, in rätselhaftem, ewigem Ernst hervorlauert.« (C. Giedion-Welcker).

Hans J. Fröhlichs Hörspiel ist eine Paraphrase auf diese zweite Station des ›Ulysses‹; es betont die Hilflosigkeit und Verlorenheit der Menschen angesichts der Absurdität des Todes. Technisch liefert diese Paraphrase die Möglichkeit, mit dem Kunstkopfmikrofon scharfe Kontraste zwischen der Innenwelt des modernen Jedermann (Bloom) und der Außenwelt herzustellen, sowie die klanglich-rhytmische Struktur von Sprache und Geräusch hörspielgerecht zu übersetzen.

Mit Christoph Quest, Horst Michael Neutze, Manfred Steffen, Günter König, Heinz Fabian und anderen

Sendetermin:


Demolition

von Alfred Bester
Bearbeitung und Regie: Ulrich Gerhardt, Klaus Krüger, Hans-Ulrich Minke, Friedrich Scholz und Ursula Starck
Produktion: RIAS/BR/WDR 1973

Um Leben und Tod geht es in diesem Science-Fiction-Krimi. Die Kontrahenten sind die beiden letzten universalen Wirtschaftsimperien des Sonnensystems, vertreten durch die Konzerninhaber. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Gilde der Gedankenleser, ›Esper‹ genannt, die jeden Plan schon im Entstehen aufdecken kann und dadurch eine entscheidende Kontrollposition einnimmt. Doch Ben Reich, der sich seines Rivalen entledigen will, setzt gegen die ›Esper‹ eine telepatische Sperre ein: das ›Trenser-Lied‹, einen musikalischen Ohrwurm.

›Demolition‹ ist die erste Kunstkopf-Produktion der Hörspielgeschichte und wurde auf der Funkausstellung in Berlin 1973 als Sensation gefeiert.

Alfred Bester, geboren 1913 in New York, galt in den 50er Jahren als einer der Starautoren im Bereich Science-Fiction. Er arbeitete als Texter für Comic-Reihen wie ›Superman‹ und schrieb Manuskripte für Rundfunkserien.

Sendetermin:


Dream War - Der Krieg der Träume

Autor: Friedrich Bestenreiner
Produktion: WDR 1993 / 49 Minuten
Regie: Thomas Werner
Komposition: Matthias Thurow

Mario Verden, hochbegabter Informatiker mit nicht ganz sauberer Vergangenheit, wird nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe von der ›Diamond Foundation‹ engagiert. Seine Aufgabe: Amantha Mitsou, den ›eurasischen Teufel‹ aufzuspüren. Die ehemalige Studienkollegin von Mario soll für die Verbreitung sogenannter Psycho-Computer-Viren verantwortlich sein, die über Cyberspace-Programme, die elektronische Unterhaltungsdroge des 21. Jahrhunderts, transportiert werden. Bereits mehrere Computerforscher sind dem neuartigen Virus erlegen, der eine Suchtwirkung nach den Abenteuern der virtuellen Realität hervorruft. Sie zeigen Symptome vergleichbar einer schizophrenen Psychose. Mario fürchtet, daß man es hier mit einem großangelegten Feldversuch einer elektronischen Mafia zu tun hat, die ihre psychotoxische Droge mittels ›Einweg-Cyberspace-Kassetten‹ vertreibt. Doch wie Amantha auf die Spur kommen, die als körperlose Software mit verführerischer Stimme ihre Opfer in die Falle des Cyberspace lockt?

Mario Verden, Informatiker: Volker Niederfahrenhorst
Amantha, seine Freundin: Verena von Behr
Linda, Kneipenwirtin: Christiane Bachschmidt
Mrs. President der Diamond Foundation: Elisabeth Scherer
Carol, Elektronikmeisterin: Monika Herwig
Kai, Physiker: Thomas Lang
Lars: Wolf Aniol
Goodman: Wolfgang Rüter
Dealer: Shigeru Tada
Ärztin: Veronika Bayer
Computerstimme: Jochen Breiter

Sendetermin:


Das Ende vom Anfang

von Sean O'Casey
Produktion: DDR 1983 | 47:30 Minuten
Regie: Horst Liepach
Übersetzung aus dem Irischen: Maik Hamburger und Adolf Dresen
Bearbeitung: Karl E. Horbel
Musik: Reiner Bredemeyer

Darry Berril, irischer Bauer, gerät mit seiner Frau Lizzie wieder mal in Streit über die Frage, wer mehr zu arbeiten hat: er auf Wiese und Feld oder sie in Haus und Hof.

Großsprecherisch verkündet Darry, Lizzies Arbeit sei ein Kinderspiel. Diesmal macht Lizzie ernst: sie schnappt sich die Sense und geht die Wiese mähen. Darry muss nun wohl oder übel die Hausarbeit machen. Zusammen mit Nachbar Barry Derril, der helfen will, geht nach und nach erst das Geschirr, dann die Zimmereinrichtung, dann schließlich das ganze Haus zu Bruch - die heimkehrende Lizzie findet einen Trümmerhaufen und zwei arg lädierte Helden vor.

Sean O'Casey, geboren 1880 in Dublin, gestorben 1964 in Torquay/Devon, England. Irischer Dramatiker von Weltrang.

Erstsendung: 1983-04-06


Cover: Erforschung von Simeon 2

Erforschung von Simeon 2

Utopisches Kunstkopf-Hörspiel
Werbe-Single der Firma Sennheiser
Sennheiser 0105 543

A-Seite: Erforschung von Simeon 2
B-Seite: Windmills of your mind (Musik)

Ein Ein-Mann-Raumschiff landet nach langer interplanetarischer Reise auf einem fremden Planeten. Der Astronaut hat Schwierigkeiten mit dem allzu menschlichen Bordcomputer und ungewöhnlichen Lebewesen auf dem Planeten.


Ein Erwachen

von Andreas Okopenko
Regie: Friedhelm Ortmann
Produktion: ORF, NDR, WDR 1983 - 60 Minuten

Der Werbegrafiker Gil Kümeier hat an diesem Morgen einen Termin für ein Bewerbungsgespräch, doch wie gelähmt bleibt er im Bett liegen und wird von ›Traumerlebnissen‹ heimgesucht. Seine Innenstimme artikuliert die Gedanken, die er nicht sprechen, die Schmerzen, die er nicht ausdrücken, und die Bilder, die er nicht malen kann; Außenstimmen rufen Erinnerungen wach an seine Kindheit, an seine Ehefrau und an eine Explosion in seinem Haus.

Das Hörspiel ›Ein Erwachen‹ wurde vom Autor Andreas Okopenko im Hinblick auf ein ganz besonderes radiotechnisches Vermittlungsverfahren geschrieben. Die sogenannte ›Kunstkopfstereophonie‹. Das Aufnahmegerät besteht in diesem Fall aus einem künstlichen Kopf, in dessen Ohren zwei Mikrophone eingebaut sind. Dadurch gelingt es, im Unterschied zur normalen Stereophonie, bei der nur die links-rechts-Unterschiede deutlich werden, das natürliche Hören größtmöglich nachzubilden. Also auch eine vorne-hinten-Ortung der Tonquellen zu ermöglichen. Allerdings ist dies nur beim Abhören mit Kopfhörern möglich. Wir ersuchen Sie daher, wenn Sie eine optimale Wiedergabe aller Effekte miterleben wollen, das folgende Hörspiel mit Stereokopfhörern abzuhören. Aber natürlich geht's auch ohne Kopfhörer - dann klingt's eben ganz normal.

Mit Klaus Wildbolz, Ferdinand Kaup, Kathi Claasen, Kurt Büscher, Maria Mayr, Ina Peters, Jaromir Borek und anderen

Sendetermin:


Es rauscht wie Freiheit, es riecht wie Welt

Eine akustische Seereise unter Segeln
Von Udo Zindel und Wolfgang Rein
Produktion: SDR 1995 | 55 Minuten

Auf der Suche nach der vergessenen Klangwelt traditioneller Segelschiffe gingen die Autoren an Bord eines alten, hölzernen Zweimasters, Kurs südliche Ostsee. Ihre akustische Jagd nach der Atmosphäre der See, des Schiffes und seiner Besatzung war oft ein schwindelerregendes Abenteuer. Mit dem sperrigen Kunstkopfmikrofon in der Hand in die Masten hinaufzuklettern, gehörte ebenso dazu, wie Mikrofone direkt über die Bugwelle abzuseilen. Rund 140 Einzelgeräusche haben die Autoren schließlich mit literarischen Texten zu einem durchgehenden Klangbild verwoben, aus dem die Symbolik des Meeres und der Seefahrt spricht. »Es rauscht wie Freiheit, es riecht wie Welt ...«, dichtete Joachim Ringelnatz, der die letzten Frachtsegler noch selbst erlebt hatte, »Naturgewordene Planken sind Segelschiffe, ihr Anblick erhellt und weitet unsere Gedanken.«

Die Autoren des Features haben ein Lehrbuch herausgegeben, das sich unter anderem intensiv mit der Technik von Stereoaufnahmen befaßt.

Zindel, Udo und Wolfgang Rein (Hrsg.): Das Radio-Feature. Ein Werkstattbuch inclusive CD mit Hörbeispielen.
Reihe Praktischer Journalismus, Band 34, 380 Seiten mit 33 Abbildungen.
Erschienen im Oktober 1997, bei UVK Medien GmbH, 78462 Konstanz, ISBN 3-89669-227-5.

Das ›Radio-Feature‹ ist die erste ausführliche Darstellung der dramaturgischen Grundformen, Erzähltechniken und handwerklichen Regeln einer der traditionsreichsten und lebendigsten Sendeformen des Radios. Der Aufbau des Werkstattbuches orientiert sich am Entstehungsprozeß eines Features: von der Idee über erste Entwürfe, die Konstruktion von Spannungsbögen, den dramaturgisch sinnvollen Einsatz von Musik, Geräuschen und Originaltönen bis hin zu Schnitt, Regiearbeit, Misch- und Blendtechniken. Außerdem enthält es eine Einführung in Mikrofon- und Aufnahmetechnik, Stereophonie und praktische Gerätekunde. Tips für die Originalton-Recherche in Wortarchiven und eine kurze Geschichte des deutschsprachigen Features runden den Band ab. Eine CD mit Hörbeispielen herausragender Sendungen liegt bei.


Euphorie

von Paul Pörtner
Regie: Paul Pörtner
Produktion: BR 1974 | Länge: 12 Minuten

Ein Kranker liegt gelähmt allein in seiner Einzimmerwohnung. Die Stimmen und Geräusche aus den Wohnungen nebenan, aus den Zimmern über und unter ihm nehmen mehr und mehr bedrohlichen Charakter an.

Mit Elke Lang, Ilse Neubauer,Marianne Rogée, Franziska Walser, Peter Heusch, Hans Lengefeld, Hans Stetter.

Sendetermin:


Fisch zu viert

von Wolfgang Kohlhaase und Rita Zimmer
Regie: Horst Liepach
Komposition: Reiner Bredemeyer
Darsteller: Lissy Tempelhof, Heide Kipp, Margit Bendokat, Jürgen Holtz
Produktion: Rundfunk der DDR 1981 | 76'30

Das Stück ist ein »Moritatsachenbericht über eine höchst beklagenswerte Affäre im Jahre 1838 sowie im Märkischen bei Neuruppin«. Drei wohlhabende, leider jedoch unbemannte Schwestern haben sich in den Kopf gesetzt, ihren gemeinsamen Diener Rudolf in jeder Hinsicht auszubeuten. Und dieser, mit Blick auf den von den Damen versprochenen Erb-Anteil, war auch einer jeden zu Diensten. Aber irgendwann verspürt Rudolf einen unwiderstehlichen Drang in die weite Welt. Was er dazu braucht, ist Geld. Nun versucht der schwer Geprüfte ganz diskret, jede seiner Damen an ihr Versprechen zu erinnern... Was die drei Schwestern wohl davon halten?

Wolfgang Kohlhaase, geboren 1931 in Berlin, Autor mehrerer preisgekrönter DEFA-Filme, schreibt Drehbücher, Hörspiele und Prosa, ›Prix Italia‹ 1977 für ›Die Grünstein-Variante‹.

Sendetermin:


Geh nicht nach El Kuwehd

von Günter Eich
Bearbeitung: Walter Adler
Regie: Walter Adler
Produktion: HR, NDR, WDR 1978 | Länge: 80:05 Minuten

Das Hörspiel vom reichen Kaufmann Mohallab, der im Traum sein Vermögen, seine Geliebte und sein Leben verliert und sich, nach seinem Erwachen, in die Realität dieses Traumes begibt, deuteten die Kritiker als Botschaft von der Hilflosigkeit des Menschen gegenüber einem übermächtigen, unabwendbaren Schicksal. Wenn der Kaufmann Mohallab am Schluß sagt: »Ich gehe!«, unterwirft er sich nicht irgendeinem Schicksal, sondern fordert es heraus, um sich als Mensch beweisen zu können. - Die Neuinszenierung geht von dieser Deutung aus. Die Kunstkopfstereofonie bietet differenzierte Möglichkeiten, den Traum in seinen fantastischen, traumatischen, halluzinatorischen Aspekten sinnlich wahrnehmbar zu machen, indem sie den Hörer gleichsam in den Traum mit hineinzieht.

Mit Ernst Jacobi, Jodoc Seidel, Alwin Michael Rueffer, Friedhelm Ptok, Verena Buss, Peter Fitz, Renate Schroeter, Christian Brückner, Maria Donnerstag, Ferdinand Ludwig.

Sendetermin:


Das geteilte Ich

von Robert Sheckley
Bearbeitung: Heinz Hostnig
Regie: Peter Michel Ladiges
Darsteller: Matthias Ponnier, Christian Brückner, Horst Michael Neutze, Charles Wirths, Kurt Lieck u.a.
Produktion: Südwestfunk 1976 | Länge: 54'26

Um den dominierenden Teil seines Wesens vor einer akuten Virus-Schizophrenie zu schützen, hat man Alistair Crompton im Alter von elf Jahren einer Massivspaltung seines Ichs unterzogen und seine problematischen Persönlichkeitsteile auf Androiden übertragen. Crompton weiß, dass eine wirkliche Gesundung nur durch die spätere Reintegration der schizoiden Charaktere möglich ist. Mit 35 Jahren hat er sein eintöniges Leben satt und besteht - gegen den Rat seines Psychiaters - auf Wiedervereinigung. Einen seiner ›Duriers‹ findet Alistair auf dem Mars. Der windige Edgar Loomis sträubt sich heftig gegen seine Wiederaufnahme - zunächst.

Robert Sheckley, Jahrgang 1928, Autor von über 50 Science-Fiction-Geschichten (›Das Millionenspiel‹, 1970 von Wolfgang Menge als Fernsehspiel realisiert), Drehbücher u.a. zu ›Star Trek - Deep Space Nine‹.

Sendetermin:


Gründliche Anleitung zum alternativen Landleben

von Roy Kift
Regie: Götz Naleppa
Produktion: RIAS 1982 | Länge: 146:34

Das Hörspiel schildert zwei Tage und Nächte aus dem Leben einer Landkommune: liebevoll, ironisch, doppelbödig und humorvoll. Es ist das Stimmungsbild einer Generation, die den Versuch unternimmt, der weltweiten Zerstörung von Natur entgegenzuwirken und in überschaubarem Rahmen nach produktiven Alternativen und Möglichkeiten des Zusammenlebens zu suchen.

Das Hörspiel wurde mit Kunstkopf-Technik auf einem Bauernhof in Franken aufgenommen.

Mit Vladimir Weigl, Roswitha Soukop, Barbara vom Baur, Helma Schultz, Holger Franke, Michael Müller, Karsten Schmoldt, Gabriele Litty und George Tabori.

Sendetermin:


Hemingway in Pamplona

Montage aus Texten des Romans ›Fiesta‹ von Ernest Hemingway und Originalaufnahmen der Fiestas San Fermines

Autor: Robert Matejka
Regie: Robert Matejka
Produktion: RIAS Berlin 1978 | 54 Minuten

Darsteller: Hans-Peter Hallwachs, Joachim Nottke

In Pamplona, Nordwestspanien, werden jedes Jahr am 6. Juli um 12 Uhr mittags die ›Fiestas San Fermines‹ durch Böllerschüsse eröffnet. ›The sun also rises‹ (deutscher Titel ›Fiesta‹) war der erste Roman des jungen amerikanischen Schriftstellers Ernest Hemingway. Neben der eigentlichen Romanhandlung erzählt er von den Stierkämpfen und vom Leben in der Stadt während des Festes, das neun Tage und Nächte dauert und vor allem durch den ›Encierro‹, den Eintrieb der Stiere durch die Stadt, bekannt geworden ist. Die Kunstkopfaufnahmen vermitteln ein plastisches Bild der ›Fiestas‹.

Ernest Hemingway, geboren 1899 in Oak Park, 1926 erster literarischer Erfolg mit ›Fiesta‹, 1953 Pulitzer-Preis für ›Der alte Mann und das Meer‹, Literatur-Nobelpreis 1954, Selbstmord 1961.

Sendetermin:


In der Strafkolonie

von Franz Kafka
Funkbearbeitung und Regie: Claude Pierre Salmony
Produktion: Radio DRS 1981 | ca. 43'
Mitwirkende: Bruno Ganz, Wolfgang Stendar, Walter Wigand, Heinz Bender-Plück und Elmar Schulte

Der Reisende schien nur aus Höflichkeit der Einladung des Kommandanten gefolgt zu sein, der ihn aufgefordert hatte, der Exekution eines Soldaten beizuwohnen, der wegen Ungehorsam und Beleidigung des Vorgesetzten verurteilt worden war.

Diese Produktion ist der Versuch zu einer eher unhöflichen Einladung an die Ohren, der Exekution der Hoffnung beizuwohnen, und zwar dreidimensional, d.h. vermittelt durch die Technik der Kunstkopf-Stereophonie. Die Zuhörer sollen mit der Stimmung einer Strafkolonie umgeben werden, die innerhalb und außerhalb der Lagermauern existiert. Dem Reisenden (Hörer) wird eine Foltermaschine vorgeführt, die den Deliquenten die Regeln, die sie übertreten haben, in die Haut einritzt, und zwar so lange, bis sie tot sind.

Sendetermin:


Cover: Inspektor Haberkuck greift ein

Inspektor Haberkuck greift ein

Kunstkopf-Hörspiel (LP und MC)
Autor: Heinz-Horst Janesch
Regie: Friedrich Reder
Produktion: Friedrich Reder
Reihe Kolibri Krimi | ca. 45 Minuten

Inspektor Haberkuck: Richard Münch
Wachtmeister Riese: Manfred Jaindl
Edi Xantlhuber: Peter Baresch
Jup Fingernagel: Silvio Schiavone
Monika: Monika Schäfer
Heinz: Ralf Stüker
Robert: Robert Witthöft


Der Kaitzbach - ein akustisches Porträt

von Mirjam Jauslin und Lorenz Schwarz
Technik: Mirjam Jauslin, Lorenz Schwarz und Johannes Fritsch
Produktion: EIG/coloRadio 1995 | 56:49 min

Das O-Ton-Feature folgt dem Lauf des Kaitzbaches in Dresden. Menschen, die dort leben, erzählen Geschichten und Anekdoten, die mit dem Kaitzbach verbunden sind. Begleitet werden diese Erzählungen von authentischen Geräuschen.

Inmitten eines wildromantischen Tälchens im Süden der Stadt hat der Kaitzbach sein Quellgebiet. Einst speiste er die Münze am sächsischen Hof. Im schattigen, kühlen Grund bei Kleinnaundorf fließt noch klares, frisches Wasser. Doch elbwärts begegnen dem kleinen Fließgewässer schmerzliche Fehltritte menschlichen Tuns: Müllkippen, Spuren des Uranbergbaus, Kraftwerksasche und Dunkelheit. Oft kann man im heutigen Stadtgebiet den Bachverlauf nur noch erahnen, wurde er doch im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgeleitet oder unterirdisch weitergeführt. über einen Fußweg entlang des ehemaligen Bachverlaufes und vorbei an einem Park, der heute als Regenrückhaltebecken genutzt werden könnte. Im alten Dorfkern von Strehlen und nahe des Carolasees gelangt der Bach wieder an die Oberfläche. Wasserkunst im Großen Garten und im Zoo ohne belebendes Kaitzbachwasser - undenkbar?! Entlang der Bürgerwiese erreicht der Kaitzbach das Stadtzentrum.

SLM-Rundfunkpreis 1996 (2. Preis)
Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien


Lauter liebe Worte

von Richard Farber
Regie: Richard Farber
Produktion: HR 1983 | 35 min

Beim Hörspiel ›Lauter liebe Worte‹ steht der Zuhörer im Mittelpunkt der Stücks. Die Idee des Stücks basiert auf dem Prinzip des ›Kunstkopfes‹, bei dem es ein klares klares akustisches Zentrum gibt. In diesem Fall ist der Hörer das akustische Zentrum, dem ›lauter liebe Worte‹ zugespielt werden. In ›Lauter liebe Worte‹ beschäftigte Richard Farber die Frage, was passieren würde, wenn ein Mann sein ganzes Leben lang nur liebe Worte (›Liebesworte‹) hört und nie ablehnende oder gar böse.

Sendetermin:


Leutnant Gustl

Hörspiel nach Arthur Schnitzler
Regie: Raoul Wolfgang Schnell
Produktion: BR 1976

Die im Jahr 1900 entstandene Novelle ›Leutnant Gustl‹, eine ätzende Satire auf den Ehrenkodex der k.u.k. Korps, brachte den Autor um den Offiziersrang - und machte Literaturgeschichte als erster konsequenter innerer Monolog in der deutschsprachigen Literatur. Ebenso konsequent im Hörspiel umgesetzt: die Anwendung der Kunstkopfstereophonie, die ein optimales Hören der Produktion mit Kopfhörern ermöglicht.

Damit sind wir sozusagen im Gedankenstrom des jungen Leutnants, der bei einem Konzert von einem ›satisfaktionsunfähigen‹ Individuum beleidigt wird. Dem herrschenden Ehrenkodex zufolge hat er sich eine Kugel durch den Kopf zu schießen. Leutnant Gustl macht die Nacht am Wiener Prater durch, frühstückt noch einmal herzhaft...

Mit: Herbert Rohm, Karl Maldek, Josef Schwarz, Lisi Mangold und Alexander Malachowsky

Arthur Schnitzler, 1862-1931, erst Arzt im Offizierskorps, dann mit seinen Bühnenstücken und Novellen wie ›Anatol‹ (1893), ›Reigen‹ (1900), ›Leutnant Gustl‹ (1900) u.a. scharfer Beobachter und 'Zeichner' des Fin de Siècle, der Wiener Gesellschaft und ihres oft mit müder Melancholie kokettierenden Spiels im und mit dem Leben.

Sendetermin:


Liliom

von Franz Molnar
Regie: Peter Groeger
Ton: Helga Schlundt
Produktion: DDR 1984 | 81 min

Liliom, Rummelplatzausrufer mit Charme und Vitalität, dazu ein leichtsinniger und verspielter Vorstadt-Casanova, verlässt für das Dienstmädchen Julie die Karrussellbesitzerin und wird von ihr daraufhin auf die Straße gesetzt. Obwohl Liliom seine junge Frau liebt, schlägt er sie oft aus Kummer über seine Arbeitslosigkeit und um seine leicht verletzbaren Gefühle zu verbergen.

Die Not wird besonders drückend, als Julie ein Kind erwartet. Um einmal zu Geld zu kommen, lässt er sich von einem Saufkumpan zu einem Raubüberfall überreden. Der Coup misslingt kläglich, sein Komplize entkommt, doch der unglückliche Liliom wird gestellt und ersticht sich, bevor er verhaftet werden kann.

Im Jenseits zu sechzehn Jahren Fegefeuer verurteilt, erhält Liliom danach die Chance etwas Gutes für seine Frau und seine Tochter zu tun. Er darf für einen Tag auf die Erde zurück. In seinem Gepäck: ein Stern, den er vom Himmel gestohlen hat. Liliom gibt sich vor seiner Familie als Freund des Verstorbenen aus und schildert seiner Tochter den nie gekannten Vater als Taugenichts. Als sie sich weigert, das zu glauben, erregt er sich so, dass er sie ohrfeigt. Der Unterteufel triumphiert, die Engel haben es schon immer gewusst: Liliom ist ein unverbesserlicher Mensch! Erneute Strafe droht, doch die Tränen von Mutter und Tochter, die der Erinnerung an Liliom gelten, fallen auf die Waage der himmlischen Gerechtigkeit und geben den Ausschlag zu seinen Gunsten.

Mit: Wolfgang Winkler, Doris Otto-Franke, Evamaria Bath, Madeleine Lierck, Eva Schäfer, Werner Ehrlicher, Ulrich Voss, Wolfgang Sonnefeld, u.a.

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Der Meister des jüngsten Tages

von Leo Perutz
Bearbeitung: Marina Dietz
Regie: Götz Fritsch
Produktion: BR, ORF 1988 | 49:50, 55:35 Minuten

Wien 1914. Ein junger Maler ist unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Sein Bruder, der an die Version eines Selbstmordes in geistiger Umnachtung nicht glauben will, geht dem Fall nach - und stirbt nach wenigen Wochen auf die gleiche Weise. Diesen Vorfall erzählt der Hofschauspieler Eugen Bischoff bei einem Hausmusikabend seinen Gästen. Wenige Minuten später ist auch er tot: erschossen. Aber auf der Tatwaffe finden sich nur seine eigenen Fingerabdrücke.

Der Chemiestudent Felix, dessen Schwester Dina mit Bischoff verheiratet war, beschuldigt den Rittmeister von Yosch, den Schauspieler in den Selbstmord getrieben zu haben; aus Eifersucht auf Dina, seine immer noch begehrte frühere Geliebte. Indizien belasten von Yosch, auch sein eigenes Verhalten. Der Ingenieur Solgrub ist dagegen von der Unschuld des Rittmeisters überzeugt und macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach dem wahren Mörder Eugen Bischoffs.

Um wirkliche und moralische Schuld, um Realität und deren Verdrängung geht es in diesem spannenden Literaturkrimi von Leo Perutz, den Friedrich Torberg so definierte: »Ein mögliches Resultat eines Fehltritts von Franz Kafka mit Agatha Christie...«.

Mit Michael Heltau, Kurt Sowinetz, Heinz Moog, Paulus Manker, Erich Auer, Michael Keller, Jaromir Borek, Alexander Buczolich, Gerhard Steffen u.a.

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Der Mörder

von Ray Bradbury
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Margarete Bormann
Bearbeitung und Realisation: Hans Ulrich Minke, Ruth Hofmann und Gerd Bazin
Darsteller: Heiner Schmidt, Heinz Meier und Gottfried John
Produktion: RIAS Berlin /Hessischer Rundfunk 1975 | 43:23

Durch Armbandsender und Interkommunikationssysteme sind die Menschen jederzeit zu orten und stehen in ständigem akustischen Kontakt miteinander: Wenn sie nicht sprechen oder einem Bekannten zuhören, werden sie unablässig mit Nachrichten, Werbung und Unterhaltungsmusik beschallt.
Der ›Mörder‹ ist der einzige, der diesen Fortschritt der Zivilisation als Terror empfindet und all die Segnungen der Technik nacheinander ›umbringt‹. Natürlich landet er beim Psychiater.

Ray Bradbury, 1920 in Waukegan/Illinois geboren, ist einer der produktivsten und bekanntesten Science-Fiction-Autoren: drei Romane (u.a. ›Fahrenheit 451‹, 1954), sieben Theaterstücke, über 300 Kurzgeschichten. Bradbury lebt in Los Angeles.

Sendetermin:


Mordende Worte

von Peter Jacobi
Regie: Dieter Carls
Produktion: WDR 1983 | 48'

Als ›Mordende Worte‹ im Juni 1983 von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zum ›Hörspiel des Monats‹ gewählt wurde, begründete die Jury diese Entscheidung so: »Ein durchaus heiteres (wenn auch mordlustiges) Hörspiel, das die Tücken und Möglichkeiten des akustischen Mediums voll ausnutzt und den Zuhörer mit immer neuen Wendungen im Spielgeschehen überrascht. Der Autor Peter Jacobi schildert den erfolgreichen Versuch eines blinden Ehepaares, ihrem Vermieter, einem raffgierigen Wohnungsspekulanten, den Garaus zu machen. Die Art und Weise, wie dies geschieht, ist Hörspielsache: Durch Einspielungen, diverse Rollenwechsel, Stromausfall und einen offenen Lichtschacht in der /-Zimmer-Wohnung mit Gegensprechanlage stürzen sie den Vermieter in den Wahnsinn und das unterste Stockwerk.«

Peter Jacobi, geboren 1951 in Thüringen, lebt seit der Schulzeit in München. 1975 veröffentlichte er sein erstes Theaterstück (›Fußballplatz‹). Seither schrieb er vor allem Hörspiele. Für ›Wer SIE sind‹ (WDR 1988) erhielt er den Hörspielpreis der Kriegsblinden. Der WDR produzierte zuletzt sein Hörspiel ›Das Schweigen der Mailbox‹ (2000).

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Riminiszenzen

Kunstkopf-Feature von Aldo Gardini
Produktion: DRS 1988

Seit über hundert Jahren gilt Rimini als bedeutender Badeort an der Adria. Nach dem Zweiten Weltkrieg reisten immer mehr Touristen aus dem nördlichen Europa an den 15 Kilometer langen, feinsandigen Strand. Die wenigen Italiener verbrachten ihre Ferien am weniger schönen Strandabschnitt zwischen dem Hafen und der Marecchia-Mündung. Heute bilden die Ausländer am Strand von Rimini die Minderheit. Die Stadt hält auch keinen Winterschlaf mehr. Sie hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Messe- und Kongressort entwickelt. ›Riminiszenzen‹ ist ein Kunstkopf-Feature, dessen dreidimensionaler Klangraum sich mit Vorteil durch den Einsatz von Kopfhörern erschliesst.

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So lebte er hin

Kunstkopf-Hörspiel von Thomas Walther
Regie: Götz Naleppa
Produktion: RIAS, BR 1984 - 83:50

Arbeiten sollen sie, ›bis sie schwarz werden‹, droht der Verwalter des Gehöfts. Schorsch ist gerade erst eingestellt worden. Er arbeitet mit dem 29-jährigen Klaus zusammen, über den die anderen sich lustig machen. Nach und nach erfährt Schorsch, unter was für Umständen der Analphabet Klaus auf dem Hof gehalten wird. Urlaub und Lohn gibt es für ihn nicht. Und der Verwalter glaubt, dass sich an der Naivität und Unerfahrenheit des jungen Mannes, der noch nie über das nächste Dorf hinaus gekommen ist, so schnell nichts ändern wird.

Das Büchner-Zitat im Titel bezieht sich auf die Hauptperson, einen jugendlichen Landarbeiter, der ausgebeutet und fast ohne menschliche Zuwendung in jahrelanger Abhängigkeit lebt. Das Stück, das einen durch Unterdrückung deformierten Menschen vorführt, wurde auf einem Bayerischen Bauernhof in bayerischem und fränkischem Dialekt in Kunstkopf-Stereophonie produziert.

Krückl, Max (Klaus); Grützbach, Frank (Schorsch); Tomayer, Horst (Klutt); Sperr, Martin (Siggi); Thor, Horst (Polizist); Daehn, Klaus-Jürgen (Nickel); Benker, Marianne (Frau Nickel); Bach, Gabriele (Fräulein Inge); Müller, Herbert (Muggenlauer); Volkmann, Hilde (Sonja); Kusz, Fitzgerald (Högthaler)

Hörspiel des Monats Januar 1984

Sendetermin:


Sommergäste

von Maxim Gorki
Bearbeitung: Peter Stein und Botho Strauß
Regie: Peter Stein
Produktion: RIAS/Schaubühne am Halleschen Ufer 1975 | ca. 175'

Auf ihren Datschen vor der Stadt reden und debattieren die Vertreter der bürgerlichen Intelligenz über ihre komplizierten persönlichen Beziehungen. Aufgestiegen ins Bürgertum, wollen sie ihr Leben genießen. Warja, die Frau des Anwalts, kennzeichnet ihre gesellschaftliche Lage: »Die Intelligenz - das sind nicht wir! Wir sind etwas anderes - wir sind Sommergäste in unserem Land. Zugereiste! Wir sind ausschließlich damit beschäftigt, einen bequemen Platz im Leben zu suchen.« Warja bricht aus dieser Gruppe von Egoisten, Zynikern und Ästheten aus und folgt mit einigen anderen dem politischen Aufruf einer Ärztin, die für eine Zusammenarbeit zwischen Intelligenz und Arbeiterschaft eintritt. Warjas jüngerer Bruder Wlass ist von der vorbildlichen Haltung der Ärztin begeistert und verliebt sich in die zwölf Jahre ältere Frau.

Maxim Gorki (1868 -1936), russisch ›der Bittere‹, hieß eigentlich Alexej Maximowitsch Peschkow. Er wuchs fast ohne Schulbildung auf, war anfangs Arbeiter, wurde aber 1902 mit seiner Szenenfolge ›Nachtasyl‹ als Autor bekannt. Die meisten seiner Theaterstücke und Romane tragen marxistische Züge und machten ihn zum Vorbild des realistischen Sozialismus. In den politischen Unruhen des Jahres 1905, in deren Vorfeld ›Sommergäste‹ angesiedelt ist, wurde Gorki eingekerkert, dann freigelassen und amnestiert. Er arbeitete danach als Publizist für die von Lenin geschaffene, erste legale marxistische Tageszeitung ›Neues Leben‹.

Warja: Edith Clever
Jakow Schalimow: Bruno Ganz
Kalerija: Ilse Ritter
Olga: Sabine Andreas
Wlass Tschernow: Michael König

Sendetermin:


Tage

von Deborah Eisenberg
Deutsch: Nikolaus Hansen
Technik und Schnitt: Werner Feldmann
Hörspielfassung, Kunstkopfaufnahmen und Regie: Franziska Hirsbrunner
Produktion Schweizer Radio DRS2 1991 | ca. 53 min.

Frau: Desirée Meiser

Als 1985 ihr erstes Buch - ›Reisen mit leichtem Gepäck‹ - erschien, war Deborah Eisenberg vierzig Jahre alt. In einem Interview gefragt, was sie denn vorher gemacht habe, antwortete sie: »Nichts. Gar nichts. Es ist wirklich seltsam, aber ich habe immer gedacht, daß es nichts auf der Welt gäbe, was ich gerne tun würde. Um mich herum waren die Menschen so optimistisch und erwarteten, daß sie mindestens Präsident der Vereinigten Staaten würden, aber ich fand alles schrecklich.«

Deborah Eisenberg hatte Latein, Griechisch und Anthropologie studiert, ›nutzlose Dinge‹, wie sie sagt, und ihren Lebensunterhalt als Kellnerin in ›einer Art Restaurant-Bar‹ in der Nähe ihrer New Yorker Wohnung verdient. Bis sie dann eben das Lebensgefühl ihrer Generation schreibend unter die Lupe nahm und mit ihren filigranen Porträts von Frauen, ›die immer ein bißchen auf der Durchreise sind‹, auf Anhieb auf den Bestenlisten landete.

Im Monolog ›Tage‹ stellt sich ein Prototyp von Eisenbergs Großstadt-Neurotikerinnen vor, eine Frau, die völlig vereinsamt und orientierungslos vor sich hin lebt, eines Tages beschließt, das Rauchen aufzugeben und einzig deswegen, wie sie meint, in eine tiefe Depression stürzt. Um die Tage hinter sich zu bringen, macht sie sich wie eine Gralsritterin auf, Läuterung und Erleuchtung in einem gigantischen Sportzentrum zu suchen und stellt sich fortan unter schärfste Beobachtung. Die minutiösen Veränderungen in ihrem Befinden und das langsame Anwachsen ihres bis anhin nicht vorhandenen Wissens in Sachen Körperertüchtigung rapportiert sie mit so viel Distanz zu sich selbst, als gälte es, ihr Elend keimfrei abzupacken und in flockigen Gesprächsstoff für die Parties umzuformen, zu denen sie nicht eingeladen wird.

In der Hörspielfassung von ›Tage‹ werden diese einsamen Artikulationsübungen mit einem Geräuschfilm konfrontiert, der das Leben einfängt, an dem diese Frau trotz aller Bemühungen nie wirklich teilhat. Die Tonspur führt sie in geschlossene Räume, in das Labyrinth der Subway, in Sporthallen, Bäder, Garderoben, und entlässt sie erst am Ende ihrer Gralssuche ans Tageslicht.

Sendetermin:


Tod eines Physikers

von Christian Mika
Produktion: BR/HR 1974 | 49:55
Regie: Friedrich Scholz
Komposition: Friedrich Scholz

Darsteller: Felix von Manteuffel, Johanna Martinz, Holger Hagen, Leo Bardischewski, Toni Berger, Rosemarie Fendel u.a.

Der junge Physiker Eberhard, den nach dem plötzlichen Tod seiner Freundin Telefonanrufe der Geliebten aus dem Jenseits erreichen, geht diesem Phänomen mit wissenschaftlicher Akribie nach. Das erstaunliche Ergebnis seiner Forschungen: Alle Menschen gehen nach dem Tode in ein gleichförmig beschleunigtes System ein, in dem sie weiterexistieren, folglich - so schließt Eberhard in Anlehnung an Einsteins »Spezielle Relativitätstheorie« - muß es möglich sein, eine geliebte Tote einzuholen, wenn man mit einem tüchtigen Beschleunigungs-Drive im Jenseits eintrifft. Von Liebe beflügelt und nach vielen minutiösen Berechnungen von Tangentialfunktionen und Zeitdifferenzen startet Eberhard den Versuch einer praktischen Bestätigung seiner Theorie.

Eberhard: Felix von Manteuffel
Gerda: Johanna Martinz
1. Polizeibeamter: Holger Hagen
2. Polizeibeamter: Leo Bardischewski
Professor: Toni Berger
Serviererin: Barbara Witow
Amanda: Rosemarie Fendel
Verkäuferin: Peter Heusch
Marlies Compere, Geneta Fischer Gusti Kreissl, Maria Stadler, Franziska Walser, Mechthild Zschau, Alois Maria Giani, Michael Habeck, Winfried Küppers, Ulf Jürgen Wagner, Reinhold Wichmann

Sendetermin:


Unter Wasser

von Günter Eich
Regie: Otto Düben
Komposition: Peter Zwetkoff
Produktion: SWF 1978 - 61:25

Auf dem Deck eines untergegangenen Segelschiffs sitzt vor einer Schreibmaschine Elias Johnson. Er will seine Memoiren schreiben, wobei ihm seine Meerfrau Friederike behilflich ist. Ein Engel kommt herbeigeschwommen. Er möchte Elias unbedingt klarmachen, daß er eigentlich Abimelech heiße und er anstelle des Trunkenbolds Noah auf der Arche die Sintflut überstehen soll. Elias kann sich diesem Ansinnen nicht so ganz entziehen, denn er hat einen falschen Kopf auf seinen Schultern. Bei der Schlacht von Trafalgar verlor er seinen eigenen und kaufte sich beim Trödler einen neuen. Ist es der von Abimelech?

Das Stück war als Marionettenspiel konzipiert. Es entstand ein hintergründig verspieltes Stück um Identitäts- und Wahrheitssuche. Otto Düben stellte gemeinsam mit Ilse Aichinger eine Fassung für Kunstkopf-Stereophonie her

Mit Christian Brückner, Rosel Zech, Ernst Jacobi und anderen

Sendetermin:


Von der Schwierigkeit, auf die richtige Art lebendig zu sein

Kunstkopf-Hörspiel von Anne Dorn
Regie: Rainer Clute
Produktion: RIAS, SWF 1985 - 119:05

Es ist die zum Teil autobiografische Schilderung einer Frau in einer Grenzsituation. Nach schwerer Krankheit flüchtet sie aus der ärztlichen Obhut, aus der erdrückenden Fürsorge der Familie und zieht sich in ein einsames Haus im Wald zurück, beargwöhnt von den Dörflern der Umgebung. Das Hörspiel, das ausschließlich in Außenaufnahmen aufgezeichnet wurde, besteht fast nur aus den Monologen der Frau, ihren Gefühlen und Gedanken, es lebt von der Stille des Hauses und den Naturlauten der Umgebung.

Hoger, Hannelore (Frau); Gontermann, Walter (Chauffeur); Stahl, Günter (Mann); Tafel, Karlheinz (Postbote); Görke, Arno (Pferdezüchter); Herting, Nina (Mädchen); Condrus, Wolfgang (Christian); u.a.

Sendetermin:


Von Rocky bis Verdi - La Filarmonica di Bardolino

Kunstkopf-Feature von Aldo Gardini
Regie: Aldo Gardini
Produktion: DRS 1987

Das Dorf Bardolino liegt am Gardasee, knapp 25 Kilometer von Verona entfernt - und welcher Musikliebhaber denkt da nicht an die aufwändigen Opernaufführungen in der römischen Arena, an Aida und an die Traviata? Opernaufführungen werden in Italien nicht nur von einer kulturbeflissenen Elite besucht sondern sie gehören zur Alltagskultur. Der Autor macht in seinem Feature ohrenfällig, wie tief verwurzelt Klassiker wie Verdi im normalen italienischen Leben ist. Im Schulhauskeller von Bardolino treffen sich nach ihrem Tagwerk regelmässig Weinbauern, Souvenir-Verkäuferinnen, pantoffeltragende Grossväter mit ausladendem Bauch und Jugendliche mit verwegenem Irokesenkamm zur Musikprobe. Nicht nur der Graben zwischen den Generationen wird hier offenbar mühelos überschritten, auch musikalisch gibt es keine Schranken zwischen einem Potpourri aus neapolitanischen Volksweisen, der Titelmelodie des Sylvester Stallone Films Rocky und Verdis Oper La Traviata - alles wird mit der gleichen Intensität, ›con cuore‹ geübt.

Sendetermin:


Cover: Warten auf Godot

Warten auf Godot

von Samuel Beckett
Regie der Kunstkopf-Dokumentation: Ulrich Gerhardt
Kommentar: Rainer Höynck
Produktion: RIAS Berlin 1976 | 118:40
Inszenierung von Samuel Beckett im Berliner Schillertheater 1975

Darsteller: Horst Bollmann, Stefan Wigger, Klaus Herm, Carl Raddatz, Torsten Sense

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Die Aufnahme dokumentiert in einer Kunstkopf-Produktion Samuel Becketts eigene Inszenierung, die am 8. März 1975 Premiere hatte. Das Stück, das 1953 in Paris uraufgeführt worden war, begründete Becketts Weltruhm. Die Funktion des Dialogs scheint einzig die zu sein, das Warten zu registrieren und die Langeweile erträglich zu machen. In den mal banal realistischen, mal burlesken oder von Tiefsinn und Ironie jäh durchblitzten Wechselreden der vier Hauptpersonen wird kein Ausweg aus der problematischen Situation des Wartenden gefunden. Das Denken geschieht um seiner selbst willen. Es ist Spiel und Kunst und als solches Ort möglicher Freiheit. »In der ungeheuren Verwirrung ist eines klar: Wir warten auf Godot.«

Samuel Beckett (1906-1989), Meister des Absurden Theaters. Nobelpreis 1969.

Sendetermin:


Weihnachten auf Sizilien - Impressionen aus Centuripe

Feature von Christian Stricker & Aldo Gardini

Auf Sizilien beginnt Weihnachten schon Mitte Dezember und dauert bis zum Dreikönigstag. Das Kunstkopf-Feature ›Weihnachten auf Sizilien‹ entführt in die sizilianische Kleinstadt Centuripe und erzählt mit liebevollem Blick von Festvorbereitungen und Festbräuchen: so wird zum Beispiel am Silvesterabend das alte Geschirr aus dem Fenster, auf die Gasse geworfen. Ein Hörgenuss zum zweiten Advent.

Sendetermin:


Wild Soundscapes - Die Heiwatils

Oder: 70 Hörbilder für Heidrun und Walter Tilgner

Feature von Hans-Ulrich Werner und Michael Rüsenberg
Autorenproduktion für DLRB 2004
Länge: 54:30

Walter Tilgner wurde in diesem Jahr 70. Als radikaler Ökologe im förstergrünen Lodenmantel gilt er als das ›Grüne Ohr vom Bodensee‹. Seit den 80er Jahren zeichnet er Naturklänge zwischen Nordsee und Alpen mit dem Kunstkopf-Mikrofon digital auf. Der Sologesang der Nachtigall, das Rauschen des Waldes, ein Hirschkonzert oder akustische Winterbilder erscheinen unter seinem Label ›Natural Sound‹.

Darüber hinaus werden seine Aufnahmen zunehmend Teil von Wirkungsforschung und Klangtherapie. Im Tessiner Klanghaus verbindet er den Naturtongesang des Weltmusikers Bardo mit seinen Aufnahmen und Klangkompositionen.

In dieser Collage werden die Heiwatils - Heidrun und Walter Tilgner - als hörende und klingende Menschen und Künstler erfahrbar.

Hans-Ulrich Werner arbeitet als Klangregisseur, Autor von Hörtexten zur Akustischen Ökologie und Komponist von Soundscapes.

Michael Rüsenberg, geboren 1948, Hörfunk- und TV-Journalist, Audiokünstler und ›Klangreporter‹. Er lebt in Köln.


Zauberei auf dem Sender

von Hans Flesch
Regie: Ulrich Lauterbach
Remake HR 1974, Kunstkopf-Stereofonie

Am 24. Oktober 1924 strahlte der Sender Frankfurt auf Welle 467 zum ersten Mal in Deutschland ein Hörspiel aus, damals noch ›Sendespiel‹ genannt: die Zauberei auf dem Sender von Hans Flesch. Das Stück handelt von einer Störung im Radioprogramm: Statt des vorgesehenen Symphoniekonzerts ertönt über den Äther ein Tohuwabohu aus Märchenerzählung, Börsennotierung, Modetips, Literaturfragmenten, Trompetenmusik und vielem anderen. Ein unerklärlicher Vorgang. Wie ist es möglich, daß Musik erklingt, die nirgendwo gespielt wird? Wie kann plötzlich eine Stimme hörbar sein, wenn nirgendwo gesprochen wird? Der Leiter der Sendung steht kurz vor dem Nervenzusammenbruch, die Mitwirkenden sind verwirrt, der Programmdirektor ist ratlos. Aber da ist noch dieser Zauberer, und irgendwas hat der mit dem verunglückten Radioprogramm zu tun...

Hans Flesch, 1896-1945, Medizinstudium und Besuch der Schauspielschule in Frankfurt/M. Ab 1924 Künstlerischer Leiter der Südwestdeutschen Rundfunkdienst AG in Frankfurt/M. Ab 1929 Intendant des Berliner Rundfunks. 1933 Inhaftierung im KZ. 1942 Dienstverpflichtung als Truppenarzt und Lazarett-Leiter. Seit den letzten Kriegstagen in der Gegend um Berlin verschollen.

Sendetermin:


Zeitgleich - eine Dokumentation der gleichnamigen Ausstellung

Konzept und Durchführung: Rupert Huber und Gerhard Wieser
Produktion: ORF 1994

Das ORF-Kunstradio präsentiert seinen HörerInnen eine radiophone Dokumentation der Ausstellung ›Zeitgleich‹, die vom 15.Juli bis 15. August im Salzmagazin in Hall in Tirol zu sehen und hören war.

Ein ›Kunstkopf‹-Rundgang durch die Räume des Salzmagazins, in denen die Besucher mit den verschiedenen Klanginstallationen und ihren tonale Sphären konfrontiert wurden, wurde von Gerhard Wieser während der Ausstellung aufgezeichnet. Für die Radio- und CD-Ausgabe der ›Zeitgleich‹-Dokumentation wurden in diese Rundgang-Aufnahmen Studioversionen bzw. akustisches ›Rohmaterial‹ der einzelnen Installationen eingearbeitet oder mithineinverwoben. Bei der Montage bzw. Komposition, die dabei entstand, wurden musikalische Aspekte, sowie Angaben der Künstler zu ihren Installationen, ihren Studioversionen und ihrem Material berücksichtigt.

Der Reihenfolge nach sind zu hören: Bill Fontana mit ›Simultaneous Resonances‹ - einer Installation im Eingangsbereich, die das Mittelmeer ins Salzmagazin akustisch einströmen läßt. Ros Bandt mit ›Pillars of Memory‹, einer interaktiven Installation, die von der Geschichte Halls und des Salzabbaus, von der Tradition und Kultur des Ortes im Wandel der Zeiten zu erzählen weiß. Roberto Paci Dalo mit ›Napoli‹, den Besucher mitten im Salzmagazin mit den Klängen Neapels überraschte. Stoph Sauter mit ›Modell Silvretta‹; anschließend noch einmal Klänge von Paci Dalo und Ros Bandt; Andress Bosshard mit seinem ›temporären Klangobservatorium‹ ›Im Grunde lächelt der Himmel‹, das die Geräusche des Himmels direkt über dem Salzmagazin zu Gehör brachte; Concha Jerez/Jose Iges mit der Installation ›Interferenzen‹; wieder Klänge von Andres Bosshard und Ros Bandt; Adrian X mit der Klang- und Lichtinstallation ›Green Light‹, die alle acht Minuten das bedrohliche Geräusch von Kampfflugzeugen auslöste; Weiters zu hören: Installationsklänge von Andrea Sodomka und Martin Breindl und Norbert Math (›Nahe Ferne. Zeitgleich‹), Helmut Mark (›Radio‹), John Blake (›Luxor II‹) und abschließend nochmals Sodomka/Breindl/Math.

Sound from Zeitgleich

Sendetermin:


  2010-10-31