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News - Nachrichten des Jahres 2006


Hörspiel des Monats November 2006

Deutsche Akademie der darstellenden Künste

16. Dezember 2006

Iris Disse - Zeittraum - Der Ungarnaufstand 1956 - eine Radioperformance

Regie: Iris Disse
Produktion: RBB, MR 2006 - 55 Minuten

Von aller Welt verlassen fühlten sich die Ungarn, als sie in den letzten Tages ihres Aufstandes das westliche Ausland um Hilfe anflehten. Die russischen Panzer standen schon vor den Toren des Ungarischen Rundfunks, dass damals ein Zentrum des Widerstandes gegen die Besatzungsmacht war. Sie standen auf verlorenen Posten, weil - wie auch ein paar Jahre zuvor am 17. Juni 1953 in der DDR - die Amerikaner den Machtbereich der Sowjetunion respektierten und sich nicht einmischen wollten.

Aus der Jurybegründung: »Dem Feature von Iris Disse über den Ungarnaufstand gelingt es, die Ereignisse vom 23. Oktober bis zum 4. November vor 50 Jahren mit genuin radiophonen Mitteln in einer Unmittelbarkeit zu vergegenwärtigen, die dem Fernsehen mit seiner konventionellen Ereignisdramaturgie nicht zur Verfügung steht. Die gelungene Mischung von Originaltönen und Zeitzeugenberichten, behutsam unterlegt mit Geräuschen und Musik, bringt Gestern und Heute in einem ›Zeittraum‹ zusammen, wobei allmählich die Erkenntnis reift, dass der Westen damals kläglich versagt hat.«

Sendung:


Hörspiel des Monats Oktober 2006

Deutsche Akademie der darstellenden Künste

11. November 2006

Faïza Guène - Paradiesische Aussichten

Bearbeitung und Regie: Beatrix Ackers
Produktion: SR 2006 - 60 Minuten

»Seit mein Alter abgehauen ist, geben sich bei uns die Tussis vom Sozialamt die Klinke in die Hand. Den Namen von der neuen habe ich schon wieder vergessen. Irgendwas wie Dubois, Dupont oder Dupré, jedenfalls einer dieser Namen, die unheimlich wichtig klingen. Ich finde sie voll blöd, sie lächelt die ganze Zeit, auch wenn es gerade total unpassend ist.«

Dorias Eltern kommen aus Marokko, sie ist 15 und lebt mit ihrer Mutter in einer Sozialsiedlung in der Pariser Banlieue. Der Vater hat sich vor kurzem nach Marokko abgesetzt, die Mutter ist Analphabetin und arbeitslos. Wahrhaft ›paradiesische Aussichten‹...

Ohne Klischees und Larmoyanz, sondern wohltuend differenziert und manchmal sogar erheiternd, das ist dieser lebendige Monolog einer junger Maghrebinerin, wenn sie vom Leben in Frankreichs Problem-Vororten erzählt. Und sie zeigt auch: Es gibt auch hier noch Möglichkeiten, aus dieser Falle herauszukommen!

Faïza Guène, Jahrgang 1985, in der Pariser Banlieue als ältestes von drei Kindern algerischer Eltern aufgewachsen. 2002 erster Kurzfilm, Preise dafür auf drei Festivals, weitere fünf Kurzfilme folgten, sowie eine Dokumentation über die Demonstration im Oktober 1961, und ein längerer Film und Drehbuch. Ihr Romandebüt ›Paradiesische Aussichten‹ (2004) wurde bisher in 10 Sprachen übersetzt.

Sendung:


Deutscher Kinderhörspielpreis 2006

Filmstiftung NRW, ARD - unterstützt von der Stadt Wuppertal

16. Oktober 2006

Ulrich Hub - An der Arche um Acht

Regie: Andrea Getto
Musik: Sabine Worthmann
Produktion: HR, NDR 2006 - Länge: 52:37

An der Arche um Acht - diese Verabredung hat die Taube mit zwei Pinguinen getroffen. Sie gehören zu den Auserwählten, die auf die Arche Noah dürfen. Doch genau das stellt sie vor ein Problem: sie können unmöglich ihren Freund, den dritten Pinguin, im Stich lassen. Glücklicherweise haben sie eine rettende Idee! Und da auf der Arche ohnehin alles drunter und drüber geht, scheint ihr Plan zu funktionieren.

Aus der Jurybegründung: »In seiner Aktualisierung der biblischen Geschichte gelingt es Ulrich Hub ebenso humorvoll wie kindgerecht, über Freundschaft, göttliches Gesetz und menschliche Nächstenliebe, über Glauben und Nicht-Glauben nachzudenken. Mit Figuren, die sich zu markanten Charakteren entfalten, spielt der Autor theologische Fragen am kon­kreten Katastrophenfall durch und zeigt am Beispiel der drei Pinguine, die nach göttlichem Gebot nur zwei sein dürfen, was Solidarität wert ist.«

Sendung:


Hörspiel des Monats September 2006

Deutsche Akademie der darstellenden Künste

14. Oktober 2006

Werner Fritsch - Enigma Emmy Göring

Regie: Werner Fritsch
Produktion: SWR 2006 - 54 Minuten

»›Enigma Emmy Göring‹ ist der Versuch, zwei Phänomene des vergangenen Jahrhunderts, die Masseneuphorie und Massenhysterie hervorgerufen haben, auf spielerische Weise ineinander zu spiegeln: Dass diese Wirkungen - zum Glück! - die denkbar konträrsten sind, ist der Stein, aus dem die komischen, aber auch die abgründigen Funken der Inszenierung geschlagen werden, die gerade dadurch im Idealfall Erkenntnis zulassen. Insgesamt die Umkehrung all der Texte, die ich geschrieben habe, um Sprachlosen Stimme und vom Vergessen bedrohter Erinnerung Raum zu geben, ist dies Satyrspiel eine Parodie auf die sich allgemach immer breiter machende, immer unkritischere Nazi-Nostalgie, mit der sich die Medien hohe Einschaltquoten erheischen.« (Werner Fritsch)

Aus der Jurybegründung: »Werner Fritsch entwirft einen Charakter, der nicht nur Hermann Görings Frau zu einer willigen und deshalb gefährlichen Ignorantin machte. So schrecklich und furchterregend dies klingt, so beißend, amüsant und entlarvend ist Werner Fritschs Monolog der Emmy Göring, die aus der Puderdose plaudert und die ganze Spießigkeit, die verbrämte Tugendhaftigkeit der Nazi-Elite zur Schau stellt.«

Emmy Göring: Irm Hermann

Sendung:


Hörspiel des Monats August 2006

Deutsche Akademie der darstellenden Künste

8. September 2006

Friedemann Schulz - Das zwölfte Level

Regie: Martin Zylka
Produktion: WDR 2006 - 54 Minuten [Dolby Digital 5.1]

Der Loebner-Preis gilt als der Nobel-Preis für Systementwickler und Programmierer, die sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen. Joker will ihn gewinnen und entwickelt ein Computerspiel, in dessen Zentrum die virtuelle Sandra Key steht, die anfangs noch einen Sprachschatz von 300 Wörtern hat, schrittweise aber so weit mit künstlicher Intelligenz ausgestattet wird, dass sie immerhin auf Fragen mit Gegenfragen antworten kann. Joker arbeitet am achten Level seines Spiels, will wegen des Preises aber möglichst schnell bis zum elften kommen. Im richtigen Leben bereitet er sich gerade auf seine Hochzeit mit Alexandra vor, die nicht sehr erfreut ist, als eine äußerst attraktive, geheimnisvolle Frau den Polterabend und wenig später die Hochzeit sprengt.

Aus der Jurybegründung: »Computerspiele, künstliche Intelligenz, Cyberwelten - das sind Schlagworte, die scheinbar die Zukunft bedeuten und für viele, vor allem junge Menschen, schon Gegenwart sind. In einem gut konstruierten und gar nicht bierernsten Thriller führt Friedemann Schulz diese Sekundärwelten rasant dorthin, wo sie ernst genommen werden und auch Angst erzeugen: in die bürgerlich-spießige Kuschelecke. Die Geschichte von Joker und seinem Cybergirl Sandra Key bedient sich beim Action-Arsenal von Hollywood, mit den Zitaten wird virtuos und nicht virtuell gespielt.«

Mit Claudia Urbschat- Mingues, Sigrid Burkholder, Alexander Grill, Martin Bross, Yasuyoshi Naito, Herbert Schäfer, Bert Stevens, Hüseyin Michael Cirpici

Sendung:


Hörspiel des Monats Juli 2006

Deutsche Akademie der darstellenden Künste

12. August 2006

Sybille Berg - Das wird schon. Nie mehr lieben!

Bearbeitung: Wolfgang Stahl
Regie: Sven Stricker
Produktion: NDR 2006 - 58 Minuten

Jemanden finden, nur, um nicht allein zu sein: Zwei langjährige Single-Frauen haben endgültig genug von enttäuschter Liebe und der ewigen Suche nach dem Traumprinzen. Zu diesem Zweck haben sie gerade an Silvester einen Workshop gebucht. Er soll sie für immer kurieren: zumindest davon, sich jemals wieder in einen Mann zu verlieben.

›Nie mehr lieben!‹ heißt das Ziel, dessen erfolgreiche Verwirklichung ihnen der durchtriebene Kursleiter in Guru-Manier in Aussicht stellt. Die beiden Frauen sollen ihre tristen Beziehungserfahrungen noch einmal durchleben und so nach dem Prinzip der Aversionstherapie von ihren romantischen Vorstellungen befreit werden. Mit gelungenen Ping-Pong-Dialogen, trockenen und knallenden Pointen aus den unterschiedlichen Szenarien des Geschlechterkampfes ist der Kult-Autorin erneut eine erstklassige, bitterböse Komödie gelungen.

Aus der Jurybegründung: »Das mit kongenial ironischem Soundtrack inszenierte Hörstück wandelt sich von einer melancholischen Fallbeschreibung zu einer bitterbösen Gesellschafts- und Zeitgeistsatire.«

Mit Leslie Malton, Stefanie Stappenbeck, Daniela Ziegler, Andreas Fröhlich

Sendung:


Hörspiel des Monats Juni 2006

Deutsche Akademie der darstellenden Künste

7. Juli 2006

Dieter Roth - jeder ist. so ein lärm

Radio-Hommage an Dieter Roth (3) Das Dieter Roth Orchester spielt kleine wolken, typische scheiße und nie gehörte musik

Bearbeitung: Wolfgang Müller, verschiedene Künstler
Produktion: BR 2006 - 70 Minuten

›Frühe Schriften und typische Scheiße‹ stand auf dem Cover. ›1975 vorm einstampfen bewahrt und in zusatzumschlag herausgegeben von edition hansjörg mayer stuttgart london reykjavík‹. Das Buch mit Texten und Zeichnungen von Dieter Roth und ›mit einem Haufen Teilverdautes von Oswald Wiener‹ war ursprünglich im Jahr 1973 in der Sammlung Luchterhand erschienen. Nur ein paar wenige Exemplare waren verkauft worden, eine Teilauflage des Taschenbuchs wartete 1975 in neuem Einband auf interessierte Käufer. Offensichtlich vergeblich.

1981 fand Wolfgang Müller seinen Band als Ramschware in einer Grabbelkiste vor einer Buchhandlung nahe des Berliner Ku'damms. Verglichen mit Buchtiteln von Günter Grass, Martin Walser oder Heinrich Böll empfand der Kopf und Gründer der Art-Punkband Die Tödliche Doris den Klang des Titels erfrischend und kaufte für 5 Mark ein Exemplar. ›Wenn sich das Leben richtet nach dem Falle wieder auf, hab ich die Falle schon gesichtet und haue dem Leben eins drauf‹, wurde zum Lieblingsgedicht. Müllers Gefallen an den lyrischen Arbeiten Roths hält an bis heute, wo das mittlerweile seltene Taschenbuch in Antiquariaten für bis zu 150 Euro angeboten wird.

Sendung:


Ausschreibung: »Premiere im Netz« - Erster Hörspielpreis der ARD für die freie Hörspielszene

ARD, ZKM

30. Mai 2006

Erstmals wird in diesem Jahr im Rahmen der ARD-Hörspieltage 2006 die Auszeichnung »Premiere im Netz« für Produktionen aus der freien Hörspielszene verliehen. Einreichen dürfen freie Hörspielproduzenten Eigenproduktionen, die nicht länger sind als 15 Minuten und die noch nicht bei einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt gesendet oder von einem kommerziellen Anbieter veröffentlicht wurden.

Aus allen Einreichungen werden elf Stücke nominiert. Diese werden online bei www.radio.ARD.de zu hören sein und dort auch als Audiofile zum Download angeboten. Über die Nominierung und die Zuerkennung des Preises entscheidet eine unabhängige Fachjury, die sich aus ARD-/DLR-Hörspieldramaturgen und Mitarbeitern des Karlsruher Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) zusammensetzt.

Das Gewinnerstück wird während der ARD-Hörspieltage, die vom 8. bis 12. November 2006 im Karlsruher ZKM stattfinden, im Rahmen einer öffentlichen Preisverleihung aufgeführt. Zudem gewinnt der Sieger eine Produktion in einem Hörspielstudio der ARD und die Sendung seines Hörspiels im Radio.

Informationen zum Wettbewerb unter www.ard.de/radio/hoerspiel-soundart/-/id=7968/nid=7968/did=421804/djilcs/

Einsendeschluß ist der 16. Juli 2006.


Logo: What if

What if - Spannende Science-Fiction-Stories gesucht

Online-Magazin Telepolis, Bayerischer Rundfunk

26. Mai 2006

Der Bayerische Rundfunk/Hörspiel und Medienkunst und das Online-Magazin Telepolis des Heise-Zeitschriften-Verlages laden ein zu einem internationalen Science-Fiction-Autorenwettbewerb mit dem Titel »what if - visionen der informationsgesellschaft«.

Der technisch-wissenschaftliche Fortschritt ist keine Utopie mehr, sondern erwartete und wirtschaftlich erforderliche Notwendigkeit. Das hat das Verhältnis der Menschen zur Zukunft gerade im Aufbruch zur Informations- oder Wissensgesellschaft grundlegend verändert. Anlaß für eine Frage, welche Visionen das Konzept unserer Informationsgesellschaft geprägt haben und weiter bestimmen. Welche Rollen spielen die Universalmaschine Computer und das Universalmedium Internet bei der Konstruktion unserer Zukunft? Wohin entwickeln sich die Vorstellungen der Welt als Netzwerk, der Optimierung von Körper, Intelligenz und Wahrnehmung, des Übergangs in virtuelle Realitäten, und nicht zuletzt des Umbaus der Erwerbsgesellschaft?

Der Text des ersten Preisträgers wird als Hörspiel beziehungsweise Lesung vom Bayerischen Rundfunk produziert und gesendet.

Einsendungen per E-Mail (Text-Dokument) sind zu richten an: what-if@telepolis.de

Informationen zum Wettbewerb unter www.heise.de/tp/r4/magazin/lit/22693/1.html

Einsendeschluß ist der 15. Oktober 2006.


2007-04-29