Deutsche Akademie der darstellenden Künste
16. Dezember 2005
Bearbeitung: Klaus Buhlert
Regie: Klaus Buhlert
Produktion: HR, DLF 2005 - 49 Minuten
Mit Herbert Fritsch, Bernhard Schütz, Gottfried Breitfuß, Jeanette Spassova und Lars Rudolph
Als Konrad Bayer und die anderen Autoren der ›Wiener Gruppe‹ 1956 ihre ersten Gemeinschaftsarbeiten in Angriff nahmen, bearbeiteten sie alltägliches Sprachmaterial: Konversationslexika, Wörterbücher, Trivialliteratur, Dialekt. Ihre Montagen sollten keinen neuen, ›besseren‹ Sinn schaffen, sie sollten die Funktionsmechanismen der Sprache verdeutlichen; damit spielen. Sie zeigen so Verständnisgrenzen und demonstrieren in surrealen, kabarettistischen Wendungen, was passiert, wenn man diese Linien überschreitet - damit »die wirklichkeit sich weiter aufbläht und zerplatzt«.
An dieser Methode orientiert sich mein Stück ›Mosaik‹, das sich aus einer akustischen Collage verschiedener Texte Bayers sowie von mir entworfener Szenen zusammensetzt. Bayer, der im Alter von 32 Jahren freiwillig aus dem Leben schied, wird beim Wort genommen, das heißt auseinander- und zusammenmontiert sowie fürs Hörspiel strukturell weitergeschrieben. Frei nach seinem Leitthema: »es gibt nichts gemeinsames. nur die sprache schafft
gemeinsamkeiten«. Denn, so schreibt Bayer, »wir können in die welt nicht eindringen, wir haben nichts mit ihr zu tun, wir schaffen bilder von ihr, die uns entsprechen, wir legen methoden fest, um uns in ihr zu verhalten«.
(Klaus Buhlert)
Aus der Jurybegründung: »Es ist schon ein Wagnis, Texte des früh verstorbenen Schriftstellers Konrad Bayer zum Ausgangspunkt für ein Hörspiel zu wählen. Einerseits galten Bayers Schriften (und seine Auftritte zusammen mit den anderen Autoren der 'Wiener Gruppe: Achleitner, Artmann, Rühm und Wiener) in den späten fünfziger Jahren vielfach als skandalös. Andererseits handelt es sich um sehr persönliche und eigenwillige Untersuchungen über die normativen Kräfte, die Erstarrungen und Begrenzungen von Sprache.«
Sendung:
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
09. November 2005
Bearbeitung: Annette Berger
Regie: Annette Berger
Produktion: WDR, NDR 2005 - 53 Minuten
Mit Heinz Strunk.
Die ganze Wahrheit über die Musikszene - zumindest die zwischen Brunsbüttel, Hollenstedt und Klein Eilstorf. Heinz Strunk spielte zehn Jahre in der Tanzkapelle "Tiffanys", die die Schützenfeste und Feuerwehrbälle der Provinz um Hamburg beschallte. Aber die Karriere als Musik-Dienstleister versorgt Heinz weder mit genug Geld noch mit dem Glanz des Erfolgs, den er sich erhoffte, um schillernd aus dem Sumpf seines Alltags emporzusteigen: Geplagt von einer Antibiotika resistenten Akne, von dauerhaftem Triebstau terrorisiert und hochprozentigen Alkoholika imprägniert, versucht er in erster Linie, die 80er Jahre zu überleben. Eine etwas andere Bandlegende - kein Glamour, keine Coolness und definitiv kein Sex. Dafür volltrunkene Jungbauern, heruntergekommene Schlagerprominenz und Liedtexte, die mitten ins wahre Leben führen.
Heinz Strunk ist das Alter Ego von Mathias Halfpape aka Jürgen Dose. Dieser trat schon als Mitglied der Telefonterrororganisation Studio Braun und als Gastmusiker der HipHop-Gruppe Fettes Brot in Erscheinung. Nun hat er seinem Mucker-Ich eine tragisch-komische Autobiographie geschrieben.
Sendung:
22. Oktober 2005
Jens Jarisch - Die K. - Szenen eines Drogenstrichs
Regie: Jens Jarisch
Produktion: RBB, DLF 2004
The Boys from Wygnanka - Polen
David Zane Mairowitz - Im Krokodilsumpf
Regie: David Zane Mairowitz
Produktion: RBB 2004
Back to Tuengen Allé - Norwegen
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
12. Oktober 2005
Bearbeitung: Klaus Buhlert
Regie: Klaus Buhlert
Musik: Klaus Buhlert
Produktion: BR 2005 - 81:53 Minuten
Ursendung: 11. September 2005 - 15:15-16:45 Uhr
Mit Rufus Beck, Felix von Manteuffel, Manfred Zapatka, Ulrich Matthes und anderen.
»Nennt mich Ismael« - so beginnt die Abenteuergeschichte vom einbeinigen Kapitän Ahab, der verbissen ein furchterregendes Ungeheuer über die Weltmeere jagt und am Ende in die Tiefe gerissen wird. Ismael, der Erzähler, ist der einzige Überlebende. Eine Geschichte so gewaltig wie ein Wal. Ob Film oder Musical, Kinderbuch oder Comic: Moby-Dick, der weiße Wal, ist ein Mythos.
Im Jahr 2002 präsentierte der Bayerische Rundfunk ›Moby-Dick oder Der Wal‹, Klaus Buhlerts 10-stündige Hörspielfassung von Herman Melvilles Roman, die erstmals versuchte, der Komplexität und Vielstimmigkeit der Vorlage gerecht zu werden - ausgehend von der vollständigen deutschen Neuübersetzung von Matthias Jendis, die 2001 bei Hanser veröffentlicht wurde. Melville kombiniert in seinem Roman, der 1851 erschien, verschiedenste Stile, vom Shakespeareschen Drama über das religiöse Traktat bis zur action story.
Drei Jahre später hat Klaus Buhlert aus dieser 10-stündigen Hörspielfassung einen Adventure Cut erarbeitet, der den Atem der Großproduktion beschleunigt, die Atmosphäre verdichtet und sich dabei ganz auf die Abenteuergeschichte konzentriert.
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
10. September 2005
Bearbeitung: Gabriele Bigott
Regie: Gabriele Bigott
Musik: Ulrich Gumpert
Produktion: RBB 2005
Ursendung: 28. August 2005 - 14:04-15:00 Uhr
Mit Carmen-Maja Antoni, Boris Aljinovic, Jaecki Schwarz u.a.
Boxhagener Platz in Berlin-Friedrichshain: 7. Oktober 1968. Der Tag der Republik ist für Holgers Großmutter, kurz Oma Otti genannt, allerdings kein Grund ihre Gewohnheiten aufzugeben. Auf dem Friedhof hat sie nämlich ihre verstorbenen fünf Ehemänner zu begießen, nebst den Gräbern etlicher Bekannter. Holger, damals zwölf Jahre alt, erinnert sich an ihre erstaunliche Liebesgeschichte und einen geheimnisvollen Mordfall. All das - und noch viel mehr - passierte bei den 'kleinen Leuten' im Kiez um den Boxhagener Platz, damals in der DDR.
»Jetzt versperren die einem schon 'n Weg zum Friedhof, die Aasbande«, schimpft Oma Otti auf die Ehrenparade der Nationalen Volksarmee. Dort hat sie nämlich die Gräber ihrer verstorbenen fünf Ehemänner zu gießen und auch die vieler Bekannter. Auch Rudi - Ehemann Nummer Sechs - liegt schon »krank in'n Bette«, was sie zum Objekt der Begierde nicht nur des alten Spartakisten Karl Wegner, sondern auch des schmierigen Fisch-Winkler macht.
Aus der Jurybegründung: »Gabriele Bigott hat das Buch von Torsten Schulz punktgenau für den Hörfunk bearbeitet. Das Leben dieser ›kleinen Leute‹ wird plastisch erlebbar. Vor allem auch durch Carmen-Maja Antoni als Oma Otti, einer sehr praktischen Person voller Witz, diverser Überlebensstrategien und einem für sie selbst überraschenden Faible für Lyrik, durch die sie, nun fast am Ende ihres Lebens, die Liebe entdeckt. Gabriele Bigott trifft in ihrer Inszenierung genau den Grundton von Ironie, Komik und Sarkasmus, der in den Filmen ›Sonnenallee‹ und ›Good bye Lenin‹ bezauberte. Weil so sinnlich nachvollziehbar wurde, wie merkwürdig, verrückt, tragisch und komisch sich Leben im Alltag der DDR gestaltete.«
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
5. August 2005
Regie: Michaela Melián
Produktion: BR 2005
Ursendung: 4. Juli 2005 - 20:30-21:30 Uhr
Ein Panorama setzt sich in Gang: Der Adolf-Hitler-Platz wird zum Independence Place, wird zum Kolping-Platz, die Siedlung aber bleibt die gleiche. Die 1937 in den Isarauen gebaute Mustersiedlung Föhrenwald hat eine wechselvolle Geschichte, die sich in der Benennung ihrer Straßen und Plätze abbildet. In den Jahren 1940-45 diente die geschlossene Siedlung als Lager für die Arbeiter der Pulver- und Munitionsfabriken in Geretsried. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Föhrenwald unter amerikanischer Militäraufsicht ein Auffanglager für displaced persons, heimatlose Ausländer. Bis in die Mitte der fünfziger Jahre lebten dort europäische, meist polnische Juden, Überlebende des Holocausts, die auf eine Ausreise nach Israel oder Amerika hofften. Ab 1955 zogen in Föhrenwald neue, erstmals freiwillige Bewohner ein, kinderreiche Familien und Heimatvertriebene, die sich Siedler nennen.
Das Projekt ›Föhrenwald‹ - realisiert von Michaela Melián, Musik von Michaela Melián und Carl Oesterhelt - erzählt die Geschichte einer Siedlung als Hörspiel. Das Hörstück wiederum bildet den Soundtrack für eine begehbare ›Föhrenwald‹-Installation, die vom kunstraum muenchen präsentiert wird. Die 1937 in den Isarauen gebaute Mustersiedlung Föhrenwald hat eine wechselvolle Geschichte, die sich in der Benennung ihrer Strassen und Plätze abbildet. Michaela Melián begreift den Ort als Ergebnis kultureller, ethnischer, technologischer, ökonomischer und medialer Konstruktionen.
›Föhrenwald‹ im kunstraum muenchen:
9. September - 31. Oktober 2005
(Eröffnung, 8. September, 19 Uhr)
kunstraum muenchen, Zieblandstr. 8, 80799 Muenchen
31. Juli 2005
2005-08-01 - BR2 - 09:00-09:20 Uhr
Hörspiel von Mamoru Tanabe
Übersetzung aus dem Japanischen: Siegfried Schaarschmidt
Regie: Angeli Backhausen
Produktion: WDR 1990 - 52 Minuten
Mit: Rolf Schult, Peter Lieck, Evelyn Matzura, Wolfgang Haubner, Ruth Schiefenbusch, Bernd Grawert und andere
Wieder fährt die Trambahn durch Hiroshima. Der an Krebs erkrankte Erzähler ist nach Jahrzehnten aus familiären Gründen zurückgekommen. Als Siebzehnjähriger hat er den Abwurf der Atombombe miterlebt. Während seines Aufenthaltes steigen nun alle Bilder des Schreckens und des Leids wieder auf. In seinem Bewusstsein verwischen die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die damals vergebliche Suche nach seinen beiden Brüdern führt nun aber zu einem Ziel: Der Erzähler trifft überlebende Zeugen.
Vor 60 Jahren, am 6. August 1945, wurde, zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte, eine Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima abgeworfen. Mindestens 45 000 Menschen fanden dabei den Tod, bis heute starben mehr als 136 000 Menschen an den Folgen.
Mamoru Tanabe, geboren 1928 in Hiroshima, war von 1954 bis 1966 Mitglied des Autorenteams bei Radio NHK Tokyo. Als freier Schriftsteller schrieb er neben Hörspielen auch Fernsehspiele und -dokumentationen.
2005-08-03 - WDR3 - 22:00-23:00 Uhr
Feature
2005-08-04 - BR2 - 21:00-22:00 Uhr
2005-08-05 - BR2 - 15:00-16:00 Uhr
Literatur und das Trauma Atombombe
Von Barbara Geschwinde
Produktion: WDR 2005
Aus der Reihe WDR3 open: WortLaut
Mit dem ersten Abwurf einer Atombombe durch die US-Luftwaffe wurde der Name einer Stadt zum Synonym für die nukleare Gefahr und die Bedrohung der Menschheit durch sich selbst: Hiroshima. Was der Mensch anzurichten imstande ist, erreichte an diesem 6. August 1945, 8:15 Uhr, eine neue Dimension. Und so füllen literarische Reflexionen über das Ereignis inzwischen ganze Bücherregale: über Vorgeschichte, Entwicklung und Entstehung der Bombe, über Argumentationen, Zweifel und Überzeugungen von Wissenschaftlern, Politikern und Militärs, über das Leid der Opfer und die Verantwortung der Täter. Neben der künstlerischen Verarbeitung geht es in der Literatur auch um die Aussichten auf eine Zukunft angesichts der unbändigen Fähigkeit des Menschen zur Selbstzerstörung.
WortLaut hat sich 60 Jahre danach einige der Texte vorgenommen und einzelne Facetten des Traumas neu geordnet.
2005-08-04 - WDR3 - 23:05-00.00 Uhr
Von Martin Fritz
Am 6. August 1945 - vor sechzig Jahren - löschte der erste Atombombenabwurf das Leben in der japanischen Großstadt Hiroshima aus. Das war der Anfang vom Ende des Zweiten Weltkriegs auch im Pazifik. Hiroshima gedenkt seitdem jedes Jahr der Opfer. Doch die Erinnerung verblasst allmählich.
Das liegt daran, dass die Überlebenden von damals jetzt alt sind. Die konservative Regierung hat sich in den letzten Jahren aber auch zunehmend von der 60jährigen pazifistischen Tradition abgewendet und pflegt verstärkt nationalistische Werte.
2005-08-04 - DLRK Weltzeit - 18:07 Uhr
Das Tagebuch des Dr. Hachiya
Von Astrid Nettling
»Es war noch früh, ein stiller, warmer, schöner Morgen. Als ich durch die weitgeöffnete Doppeltür nach Süden schaute, erschreckte mich plötzlich ein jäh aufblitzender Lichtschein, dem rasch ein zweiter folgte.« So beginnt das ›Hiroshima-Tagebuch‹ des Dr. Michihiko Hachiya, des Leiters des Hiroshima Communications Hospital.
Um 8:15 Uhr Ortszeit war die Atombombe ›Little Boy‹ mit einer Sprengkraft von 20.000 Tonnen TNT über der rund 280.000 Einwohner zählenden Stadt Hiroshima abgeworfen worden. Obwohl der US-Regierung bekannt war, dass sich Japan aktiv um Kapitulationsverhandlungen bemühte, hatte Präsident Truman am 2. August 1945 den Einsatzbefehl gegeben, um das Kriegsende zu beschleunigen.
Auch 60 Jahre danach haben die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki nichts von ihrer Ungeheuerlichkeit verloren. Zeitzeugnisse wie das ›Hiroshima-Tagebuch‹, die das Unfassbare und Entsetzliche des Geschehens direkt spiegeln, sowie Analysen und Einschätzungen der damaligen Situation, die von Seiten der Historiker bis heute nicht abgeschlossen sind, sollen erneut Licht auf die Ereignisse und die Hintergründe dieser folgenschweren Entscheidung werfen.
2005-08-05 - DLF - 20.10 - 21.00 Uhr
Hiroshima, 6. August 1945, und die Folgen
Feature von Norbert Sommer
›Hibakusha‹ - das sind die Überlebenden des ersten Atombomben-Einsatzes am 6. und 9. August 1945 über Hiroshima und Nagasaki. Das Wort setzt sich zusammen aus ›Leid‹, ›Bombe‹ und ›Mensch‹. Noch heute, 60 Jahre nach der Katastrophe, sterben Menschen an den Spätfolgen der atomaren Bestrahlung. Die rund 300 000 Überlebenden haben die ca. 250 000 Toten oft beneidet, weil ihre Schmerzen, ihr Elend, ihr Ausgestoßen-Sein unerträglich waren. 60 Jahre danach sollen Augenzeugen und Betroffene noch einmal an das schreckliche Geschehen erinnern. Täter und Opfer werden ebenso vorgestellt wie der Tathergang im August 1945 und seine Vorgeschichte. Was ist aus den Versprechungen geworden, man wolle aus Hiroshima und Nagasaki lernen? Wie groß ist die atomare Bedrohungheute? Schließlich sind wir alle ›Hibakusha‹, also Überlebende des atomaren Infernos.
2005-08-06 - SR2 - 09:05-10:00 Uhr
Eine Reise nach Japan und eine Sendung über die Atombombe und die Erinnerung
Von Margit Miosga
»Gäbe es eine Operation, die alle Erinnerungen wegschneidet...« So lautet eine Strophe des Gedichts, das die Hiroshima-Überlebende Shoda Shinoe schrieb. Die Operation gibt es nicht, die Erinnerung ist so eingebrannt wie die Narben von damals. Die moderne japanische Gesellschaft hat sich wohl für die kollektive Narkose entschieden: Zwischen Fortschritt, High-Tech und buntem Lärm pflegt sie zwar die Orte der Erinnerung, einer Erinnerung aber, die erst mit dem Abwurf der Bomben auf Hiroshima und Nagasaki beginnt. Eine Reise auf der Suche nach den Spuren der Geschichte.
2005-08-03 - RBB Radio Kultur - 22:04-23:00 Uhr
2005-08-03 - MDRF - 22:30-23:30 Uhr
Von Norbert Sommer
Vor 60 Jahren, am 6. August 1945, wurde die erste Atombombe über bewohntem Gebiet gezündet. Noch heute sterben Menschen an den direkten und indirekten Folgen, rund 200 000 Opfer kamen unmittelbar durch die neue Massenvernichtungswaffe um. Im Mittelpunkt der Sendung steht die Frage nach der Haltung der christlichen Kirchen zu Atomwaffen. Außerdem kommen die ethischen Bedenken der an der Entwicklung der Atombombe beteiligten Wissenschaftler zur Sprache und die pseudoreligiösen Argumente der Bomben-Befürworter.
2005-08-07 - NDR4 info - 06:05-06:30 Uhr
Porträt einer Hiroshima-Ueberlebenden
Vor 60 Jahren, am 6. August 1945, begann das Atomzeitalter. 66 000 Menschen starben, als die USA kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges über der japanischen Metropole Hiroshima die erste Atombombe abwarfen. Miyoko Matsubara, eine der wenigen noch lebenden Zeitzeuginnen der Katastrophe, war 12 Jahre alt, als die Bombe mit dem sarkastischen Namen «Little Boy» 1500 Meter von ihr entfernt explodierte. Sie überlebte wie durch ein Wunder und machte aus der traumatischen Erfahrung ihre Lebensaufgabe. Strahlenkrank und gezeichnet von zahllosen Operationen reist die alte Dame durch die Welt und erzählt mit eindringlichen Worten von dem Tag, der ihr Leben und die Welt veränderte.
2005-08-05 - DRS2 - 09:05-09:35 Uhr
2005-08-05 - DRS2 - 18:30-19:00 Uhr
von Marguerite Duras
Erstsendung : 01.07.1972
Produktion: ORF-B
Regie : Hans Krendlesberger
Mitwirkende : Traute Foresti (Die Französin) Frank Hoffmann (Der Japaner)
Eine Französin und ein Japaner begegnen einander in Hiroshima. Beide sind verheiratet - sie in Frankreich, er in Japan -, sie lieben einander, sie gehen auseinander. Die Vergangenheit kommt an die Oberfläche: die Frau spricht von ihrer ersten Liebe und vom ersten furchtbaren Schmerz, den sie überwunden glaubte. Niemand weiß von dieser ersten Liebe...aber dem Fremden in Japan erzählt sie davon. Alternativ: Eine Französin und ein Japaner. An einem Ort der Welt, der für eine Liebesbegnung am wenigsten vorstellbar ist: Hiroshima. Gerade haben sie sich kennengelernt, und morgen wird sie zurückkehren nach Frankreich. In wenigen Stunden erleben sie eine solche Offenheit füreinander, ein so tiefes Begreifen und Ineinander-Aufgehen, dass sie beide ganz und gar aus ihrer Bahn geworfen werden. Sie begegnen im anderen ihrer eigenen Geschichte, ihrer eigenen Verlorenheit, ihren eigenen Schmerzen, und finden Erlösung ... für einen Augenblick.
2005-08-09 - ORF1 - 20:31-21:21 Uhr
7. Juli 2005
Der Leipziger Verein Hörspielsommer e.V. lädt vom 15. bis zum 24. Juli 2005 zum Hörspielsommer ein. Der Eintritt ist wie im vergangenen Jahr frei. Besucher können den Hörspielsommer montags bis freitags von 17.00 Uhr und am Wochenende von 13.00 Uhr an erleben.
Das diesjährige Programm bietet einen bunten Mix aus Stücken für Kinder und Erwachsene, ausgewählten Beiträgen aus dem Nachwuchswettbewerb und Live-Performances. Die Abende stehen jeweils unter einem bestimmten Thema, so gibt es zum Beispiel eine Liebesnacht, die Deutschen Helden, das Heimspiel mit Leipziger Literatur, hobo action einen Beat-Abend und die Kriminacht. Für Kinder laufen Hörspiele am Nachmittag.
Auf die jüngsten Besucher wartet ein kostenloses Kinderprogramm. Die Kleinen können ihre Kreativität beim Malen und Basteln erproben, in der Hörspiel-Werkstatt von Radio Blau eigene Hörspiele produzieren und ihre Geschichten bei den Leipziger Buchkindern auf Papier drucken.
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
7. Juli 2005
Regie: Walter Filz
Produktion: SWR, NDR 2005 - 76:40
Ursendung: 19. Juni 2005 - 16:05-18:00 Uhr
... und dann war er nur noch der Buhmann. Buhmann der Politik, Buhmann der Wirtschaft, Buhmann der Medien und Buhmann des Volkes. Das ihm vertraut hatte. Ihm und seiner Volksaktie. Ron Sommer galt als Visionär des Neuen Marktes und Verkörperung eines neuen Managertyps: smart, cool, charmant - ein lächelnder Logiker des Erfolgs. Doch die Rechnung ging nicht auf. Sommers Abstieg erfolgte auf Raten, aber der endgültige Sturz dauerte keine drei Monate. Am 15. Juli trat Ron Sommer zurück. ›Spekulation Sommer‹ ist das Dokudrama eines persönlichen Scheiterns vor dem Hintergrund ökonomischer Krise. Das Hörspiel zeichnet die letzten Wochen des Telekom-Chefs nach - mit dokumentarischem Material, fiktiven Szenen und Elementen der klassischen Tragödie. Wirklichkeitsgetreu in den Fakten, spekulativ, wenn keine Fakten vorliegen. Wurde Ron Sommer gestürzt. Oder stürzte er über sich selbst? War vielleicht die Annahme, ein Volk von traditionellen Kleinsparern würde seine Visionen mittragen, die größte Fehlspekulation?
Aus der Jurybegründung: »Walter Filz erzählt diese Geschichte als ›Dokumentartragödie‹, indem er Spielszenen und Originaltöne aus dem Archiv kombiniert, zum Teil auch in fiktiven Dialogen eng miteinander verzahnt. Walter Filz zeigt Ron Sommer als tragischen weil missverstandenen Helden, doch nimmt er ihm gegenüber weder eine durchweg positive noch eine verurteilende Haltung ein. ›Spekulation Sommer‹ führt vor, wie sich angesichts einer fragwürdig gewordenen Sozialen Marktwirtschaft Sparer an vermeintliche Sicherheiten, Manager an ihre Privilegien und Politiker an ihre Machtansprüche klammern, und nutzt dabei die halbdokumentarische Form für eine ebenso subtile wie humorvolle Medienkritik.«
Mitwirkende:
Ron Sommer: Karlheinz Hackl
Gerd Tenzer: Rüdiger Vogler
Kai-Uwe Ricke: Udo Schenk
Josef Brauner: Thomas Anzenhoer
Jürgen Kindervater: Berthold Toetzke
Manfred Overhaus: Hans Michael Rehberg
Frau Sommer: Hedi Kriegeskotte
und andere
Chor Collegium Musicum
Walter Filz, 1959 geboren, lebt in Köln und macht Radio und Fernsehen. Neben Features produzierte er zuletzt das Hörspiel ›Resonanz Rosa: Eine Frau hört mehr‹, mit dem er 1999 bei der ›Woche des Hörspiels‹ an der Berliner Akademie der Künste den Publikumspreis gewann. 2002 Hörspielpreis des Kriegsblinden für ›Pitcher‹, dessen »unverbrauchte und vom Klang aus gedachte ›Machart‹ dieser ›amüsanten‹ und ›schwarzhumorigen‹ Mediensatire« die Jury des zum 50. Mal vergebenen renommierten Hörspielpreises lobte. Ab Sommer 2005 Leiter der Redaktion Literatur und Feature des SWR.
Am 17. August 2005 wird ›Spekulation Sommer‹ in der Veranstaltungsreihe SWR2 Hörkino im Kommunalen Kino Stuttgart öffentlich aufgeführt.
Sendung:
20. Juni 2005
Bestes Science-Fiction-Hörspiel 2004
von Bernard Werber
Übersetzung aus dem Französischen: Claudia Feldmann
Bearbeitung und Regie: Norbert Schaeffer
Komposition: Eric Le Guen
Produktion: WDR 2004
Teil 1 ›Der Herr der Verrückten‹ (53:24) - Ursendung 16. März 2004 - 20:05-21:05 Uhr - WDR5
Teil 2 ›Sturm im Schädel‹ (54:12) - Ursendung 23. März 2004 - 20:05-21:05 Uhr - WDR5
Teil 3 ›Der Schatz in unseren Köpfen‹ (54:00) - Ursendung 30. März 2004 - 20:05-21:05 Uhr - WDR5
Nach seinem Sieg über den amtierenden Schachweltmeister, den hochentwickelten Computer Deep Blue IV, ist der Neuropsychologe Samuel Fincher von der Überlegenheit des Menschen gegenüber der Maschine Überzeugt: »Ein motivierter Mensch kennt keine Grenzen«. Noch am selben Abend stirbt Fincher beim Liebesspiel mit seiner Freundin dem Topmodel Natascha Andersen. Die Todesursache: höchste Ekstase! Doch der Journalist Isidore Katzenber glaubt nicht an die Ergebnisse der Obduktion sondern an Mord, Zusammen mit seiner jungen Kollegin Lucréce Nemrod bohrt er nach. Als ein weiterer Mord geschieht befinden sich die Journalisten schnell auf einer gefährlichen Odyssee die sie in die unbekannte Welt der Gehirnforschung führt. Sie finden heraus dass sich Fincher auf ein gefährliches Spiel eingelassen hatte an dessen Ende ein hoher Preis stand: das letzte Geheimnis des Gehirns. Nun ist es an den Journalisten dieses Geheimnis zu lüften.
Aus der Jurybegründung: »Im Hintergrund des spannenden Thrillers um einen an ›Dr. Mabuse‹ gemahnenden Patienten mit Locked-in-Syndrom läuft unaufdringlich ein nicht minder spannender Diskurs über Motivation, Konditionierung, Suggestion und Macht. Wenn die fatalen Konsequenzen einer allzu leicht zu habenden Trieberfüllung vor Augen geführt werden, gewinnt das Kalkül in unserer von vordergründigen medialen Reizen geprägten Gesellschaft zusätzliche Aktualität.«
Mitwirkende: Matthias Habich, Rüdiger Vogler, Wolf-Dietrich Sprenger, Irina Wanka, Ulrich Noethen, Frank Albrecht, Gabriela Badura, Susanne Barth, Thomas Birnstiel, Annika Hassler, Rainer Homann, Sascha Icks, Burghart Klaußner, Marcus Kiepe, Rudolf Kowalski, Hanns Jörg Krumpholz, Mathias Lange, Silke Linderhaus, Kirstin Petri, Walter Renneisen, Ernst August Schepmann, Cornelia Schmaus, Gina Schmitz, Peter Schröder, Reinhard Schulat, Wolf-Dietrich Sprenger, Catrin Striebeck, Berthold Toetzke, Mark Zak
Bernard Werber wurde 1961 in Toulouse geboren. Nach seinem Journalistikstudium arbeitete er über zehn Jahre als Wissenschaftsjournalist für die wichtigsten Magazine Frankreichs. 1991 publizierte er seinen ersten Science-Fiction-Roman ›Die Ameisen‹, der erste seiner Ameisentrilogie.
Das Hörspiel wurde parallel in französischer und deutscher Sprache produziert. Die französische Version wurde über WDR Funkhaus Europa ausgestrahlt.
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
10. Juni 2005
Regie: Ulrich Lampen
Produktion: HR 2005
Ursendung: 1. Mai 2005 - 22:00-23:05 Uhr
Jonas fährt Pizza aus. Als er tief in der Nacht einem Jungen eine Pizza bringt, erinnert ihn das an seine eigene Kindheit. An das nächtliche Warten auf seine Mutter, die als Prostituierte arbeitete. Sie wurde mit einer Netzstrumpfhose im Mund tot aufgefunden, der Mörder nie gefaßt.
Er ging danach in ein Kloster, bekam den Namen Jonas und arbeitete in dem angegliederten Pflegeheim. Dort kümmert er sich um einen merkwürdigen Alten im Rollstuhl, fährt ihn so oft wie möglich durch den Park: Altmann, der Bodenfahrer, und Jonas, der Bodenfahrerschieber.
Begleitet werden die beiden zuweilen von einem belgischen Halbblut, das auf dem Klostergelände sein Gnadenbrot frißt. Eines Tages schiebt Altmann dem Gaul, den er nur den ›hintergiftigen Kerl‹ nennt, seine Hand ins Maul mit den Worten »Jetzt beiß' mir die Hand ab, wenn sie was Böses getan hat«. Die rätselhaften Äußerungen des Alten und die Gebete der Mönche führen Jonas schließlich auf eine Spur, der zu folgen er seiner Mutter schuldig ist...
Mitwirkende: Matthias Koeberlin, Marc Hosemann, Robin Rohrmann, Heinrich Giskes, Volkert Kraeft, Sylvia Heid, u.a.
Friedemann Schulz, geboren 1945, arbeitete bis Anfang der 80er Jahre als Psychologe in verschiedenen klinischen Einrichtungen. Er schreibt seit über 20 Jahren Hörspiele und Drehbücher und lebt als freier Autor und Regisseur in Neuwied. Seit 1993 ist er Dozent für Drehbuch an der Filmhochschule Ludwigsburg.
Sendung:
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
7. Mai 2005
Regie: Andreas Ammer, Console
Produktion: WDR 2005
Ursendung: 18. April 2005 - 23:05 Uhr
Am 30. Oktober 1985, Punkt 12 Uhr mittags, startet Reinhard Furrer als Wissenschaftsastronaut an Bord der US-Raumfähre ›Challenger‹ ins All. Der Flug dauert 7 Tage, 44 Minuten und 51 Sekunden. Vor und während des Fluges, sogar während des Starts spricht Furrer auf eigene Gefahr seine Eindrücke in ein privates Diktaphon. Während der Startvorbereitungen gibt sich der ›Payload Specialist‹ noch professionell und abgeklärt. Er erläutert den Countdown, den zeitlichen Ablauf, die Vorbereitungen in Cape Canaveral. Je näher der Start rückt, desto mehr wird Furrer von der Kraft der Unternehmung ergriffen. Vom einzigartigen Erlebnis des Weltraums spürbar im Innersten berührt, versucht Astronaut Furrer während der 112 Erdumrundungen wie in Trance und in geradezu psychedelischen Bildern seine Eindrücke auf Tonband festzuhalten.
Andreas Ammer & Console (Martin Gretschmann und Axel Fischer) schaffen für das Dokument von Furrers Weltraumflug einen künstlerischen Rahmen. Die Erzählungen vom All wechseln als dokumentarische ›Rezitative‹ ab mit ›Weltraum-Arien‹: Songs (gesungen von der ›Console‹-Sängerin Miriam Osterrieder), die Furrers Formulierungen in Popsongs gießen.
Andreas Ammer, geboren 1960, lebt in der Nähe von München und arbeitet als Journalist und freier Autor für Hörfunk und Fernsehen. Er produzierte zahlreiche preisgekrönte Hörspiele. Zusammen mit FM Einheit nahm er 2002 bereits zum zweiten Mal den Hörspielpreis der Kriegsblinden entgegen (für die WDR-Produktion ›Crashing Aeroplanes‹).
Console, 1973 als Martin Gretschmann geboren, Musiker und Soundgenie, lebt und arbeitet bei Weilheim. Neben seiner Arbeit als ›Console‹ (›reset the preset‹) und Projekten mit anderen Künstlern ist er auch Bandmitglied bei ›The Notwist‹. Zusammen mit Andreas Ammer produzierte er für den WDR zuletzt die beiden Undercover-Hörspiele ›On The Tracks‹ und ›Sweet Surrender‹. Axel Fischer alias FC Shuttle, ebenfalls aus Weilheim, spielte mit Martin Gretschmann als Gitarrist/Sänger schon in seiner ersten Band ›Toxic‹. Heute gehört er zur Console-Liveband und ist - nicht nur im Süden - gefragter Tech-House-DJ.
Sendung:
06. Mai 2005

03. Mai 2005
›Ein Kompositum in vier Akten‹
Hörbuch von A.J. Weigoni
Regie: Johanna Schmidt
Produktion: Tonstudio an der Ruhr 2005 | 74:45
Am Freitag, den 10. Juni 2005 findet ab 19:00 Uhr die Präsentation des Hörbuchs ›Dichterloh‹ in der Galerie Andreas Brüning in Düsseldorf statt.
Die Produktion wurde durch die Kunststiftung NRW gefördert.
›Dichterloh‹ ist in der Lyrikedition 2000 als Paperback erschienen (ISBN: 3-86520-091-5). Besprechung von Regine Müller für die Rezensionen-Welt, 03/2005.
SRG-SSR
13. April 2005
Regie: Charles Benoit
Produktion: DRS2 2004
Ursendung: 13. Oktober 2004 - 20:00-20:55 Uhr - 51:46 Minuten
In seiner Zeit politisch und literarisch umstritten, angefeindet und bei vielen verhasst, hinterliess Jeremias Gotthelf der Nachwelt ein Werk von gigantischem Ausmass. Der Formulierungskünstler und Kleinmeister des Porträts wird hier nicht als Moralist, auch nicht als Pfarrer, sondern als Rhetoriker vorgestellt. In Kaskaden überfällt sein Sprachreichtum den Hörer und die Hörerin, nicht wohl geordnet in bekannten Geschichten, auch nicht lebensanschaulich gesichtet und gewichtet, sondern nach Ton und Klang und Laune assoziiert.
Das biografische Hörspiel spielt in der Kirche und im Pfarrhaus von Lützelflüh. Da sein Sohn Albert ausser Haus aufwächst, schafft Bitzius sein umfangreiches Werk grösstenteils im Kreis von Frauen: Ehefrau, Halbschwester Marie und die Töchter Henriette und Cécile. Sie sind es, die ihn tragen, ihn versorgen, ihn fordern, ihm widersprechen. Das Hörspiel besteht beinahe ausschliesslich aus neu zusammengefügten und zu Dialogen montierten Auszügen aus Briefen, Reden, Artikeln und Predigten. Jeremias Gotthelf stellt sich also in seinen eigenen Worten selbst dar. Den Autor Beat Sterchi interessiert nicht, was die Sprache transportiert, sondern die Wucht, mit der sie es tut.
Bitzius: Ueli Jäggi
Frau Bitzius: Bettina Stucky
Henriette, die ältere Tochter: Rahel Hubacher
Cécile, die jüngere Tochter: Sonja Gertsch
Marie, die Halbschwester: Marlise Fischer
Das Hörspiel kann man beim DRS online anhören (Realplayer erforderlich)
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
8. April 2005
Regie: Corinne Frottier
Produktion: NDR 2005
Ursendung: 16. März 2005 - 20:05 Uhr
Aimée und Marthe, zwei dem Leben zugewandten ältere Damen, die seit langem ein Paar sind, begeben sich zusammen mit dem Neffen von Marthe auf eine Reise in den Süden Frankreichs, von Paris nach Béziers. Es ist eine Reise in die Vergangenheit; Anlaß für vielfältige Erinnerungen. Keine besonders guten allerdings. Aimée, eine weltberühmte Pianistin, hat vor vielen Jahren einen spektakulären Mord begangen. Während eines vom Radio übertragenen Konzerts erschoss sie den Dirigenten des Abends. Er war für die Deportation ihrer deutsch-jüdischen Eltern - ebenfalls Musiker - im besetzten Frankreich verantwortlich. Sein Grab und eine Begegnung mit der Witwe sind für Aimée das eigentliche Ziel der Reise. In ruhigem Rhythmus erzählt das Hörspiel eine spannende Lebensgeschichte mit ihrer schicksalhaften Verstrickung zwischen Kunst und einer düsteren Zeitgeschichte. Die ›dokumentarische‹ Form des ›fiktionalen‹ Erzählens sorgt für eine besonders eindringliche und suggestive Wirkung.
Aus der Jurybegründung: »Der Dramatiker und Hörspielautor Guido Koster hält geschickt die Balance zwischen einer Reiseerzählung im Reportagestil und lustvoll ins Klischee getriebenen Kunstfiguren. Die bis zum Schluss durchgehaltene Leichtigkeit der Inszenierung nimmt der Geschichte nicht den Ernst, verhindert aber das Abgleiten in einen nahe liegenden Betroffenheits-Ton. ›Quel beau voyage oder Was für eine schöne Reise!‹ ist ein gelungener Radio-Road-Movie, der durch das hervorragend abgestimmte Zusammenspiel von Schauspielern und Musik (Klavier: Natalia Ehwald) zusätzlich gewinnt.«
Mit: Libgart Schwarz, Barbara Nüsse, Sylvester Groth, Natalia Ehwald (Piano)
30. März 2005
Regie: Thomas Wolfertz
Produktion: WDR 2004 | 47:03
Ein Mensch zieht sich aus - und alle hören zu. Kontoauszüge bilden die Höhen und Tiefen deines Lebens seismografisch genau ab. Lügen. Schönreden. Hinbiegen. Aufbauschen. Verniedlichen. Verharmlosen. Verdrängen. Vergessen. Vergiss es! Deine Bank sieht dich nackt. So nackt, wie dich sonst keiner sieht.
Aus der Jurybegründung: »›Stripped - ein Leben in Kontoauszügen‹ ist ein Glücksfall für das Medium Radio, denn die künstlerische Verdichtung eines Sujets der Sozialreportage bei gleichzeitigem Verzicht auf literarische Ausgestaltung konnte in dieser Eindringlichkeit nur mit akustischen Mitteln gelingen. Weigl thematisiert die Verarmung inmitten einer Wohlstandsgesellschaft, ohne dabei sozial benachteiligte Randgruppen aufzusuchen, er zeigt den Mechanismus von Konsumzwängen auf, ohne Jugendliche vorzuführen, die sich durch den exzessiven Gebrauch ihres Handys verschuldet haben, und er spielt gleichzeitig mit dem Voyeurismus des Reality-TV, ohne sich mit ihm gemein zu machen.«
Die Preisverleihung, die abwechselnd in Berlin und Nordrhein-Westfalen durchgeführt wird, findet in diesem Jahr am 6. Juni auf dem Petersberg in Bonn/ Königswinter statt.
Mit Hüseyin Michael Cirpici, Axel Milberg, Esther Hausmann, Andreas Grothgar, Cathlen Gawlich, Wolf Lotter
Sendung:
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
3. März 2005
Regie: Norbert Schaeffer
Bearbeitung: Norbert Schaeffer
Aus dem Französischen von Eugen Helmé
Produktion: HR 2005 - Länge: ca. 81 Minuten
Ursendung: 23. Februar 2005 - 20:05-21:27 Uhr
Der stilistisch so brillante wie makellose Text, der auch heute nichts von seiner Aktualität verloren hat, beschreibt mit kühlem Blick schonungslos den Eintritt eines jungen studentischen Paares in die Welt der Erwachsenen, in die Welt von Arbeit und Beruf, von Konsum und Konformismus.
Jérôme und Sylvie, die ihr Studium abgebrochen haben, um endlich ihre Vorstellungen von Glück und materiellem Wohlstand zu verwirklichen, geraten in den endlosen Maelstrom der Verheißungen des Luxus' und der Dinge. Sie werden beherrscht von diesen Dingen, träumen von diesen Dingen, bewerten ihre Umgebung nach diesen Dingen, gleichzeitig wehren sie sich gegen die Allmacht der Dinge. Als Durchbrechung dieses Teufelskreises erscheint der Fortgang in ein anderes, ferneres Land, doch Tunesien kommt ihnen noch fremder vor. Über der Suche nach ihrem Glück verrinnt ihnen die Zeit, sie stagnieren zwischen dem Gefühl, noch gar nicht gelebt zu haben, und dem, das Leben bereits verpaßt zu haben.
Aus der Jurybegründung: »Dieser aufregende Text wird in der Regie von Nobert Schaeffer auf verstörende Weise lebendig. Diese Vergeudung von Leben, fast kommentar- und emotionslos inszeniert, erhebt die Besonderheit des Paares von 1965 ins erschreckend aktuelle Heute.«
Mit Ulrich Matthes
02. März 2005
Im April finden in Karlsruhe außerdem die zweiten KinderLiteraturtage statt - mit einer Menge Veranstaltungen rund ums Buch. Mittendrin: SWR2, mit einem ganzen Radiotag für Kinder! Klar, dass es dabei am 17. April im SWR-Studio Karlsruhe hoch hergeht: Kinderkonzert ›Rennquintett‹, Kindertheater ›Götterspeise‹, Hörspielwerkstatt ›SWR2 Dschungel-Tour‹ mit Kirstin Petri, Führungen durchs Hörspiel-Studio, Malwerkstatt ›HörBilder‹ und Georg Schweitzer alias ‹Schorsch‹ (Eintritt frei).
25. Februar 2005
Regie: Ulrich Gerhardt
Produktion: ORF-HD, Max-Reinhardt-Seminar 2004 | 57:06
Ursendung: 17. Juli 2004
Der Erzähler, ein Schriftsteller und kaum verkennbares Alter Ego Bernhards, sitzt im Ohrensessel der Musikerfamilie Auersberger verfolgt das Treiben der versammelten Künstler, Schriftsteller und Honoratioren mit steigendem Unmut und einer inneren Schimpftirade gegen Mittelmaß und Dilettantismus. Den Höhepunkt dafür bietet das Eintreffen eines Burgschauspielers nach Ende seiner Vorstellung und dessen selbstverliebte, nur durch die lautlosen Verwünschungen des Erzählers unterbrochenen Aussagen über das Theater, die Kunst und - naturgemäß - seine Berufung als Schauspieler.
Gerhardt hat sich in seiner Hörspielfassung des 1984 erschienenen Bernhard-Romans ›Holzfällen. Eine Erregung‹ vor allem auf den zentralen Auftritt des Burgschauspielers und die entsprechenden Reflexionen des Erzählers konzentriert. In seiner Inszenierung, einer Koproduktion zwischen dem ORF und dem Max-Reinhardt-Seminar in Wien, wurde der aus der Ich-Perspektive geschriebene Text auf zehn Schauspielstudentinnen und -studenten verteilt.
Mitwirkende : Jonathan Flachmeyer, Jennifer Frank, Ulrike Hanitzsch, Daniela Keckeis, Sebastian König, Stefan Kreißig, Birte Leest, Trystan Pütter, Thiemo Strutzenberger, Franziska Werner.
Hölzfällen wird am 1. März (20.30 Uhr) auf Ö1 erneut ausgestrahlt.
Platz zwei ging an ›Mein Radio und ich‹ von Bodo Hell, Platz drei an Bernhards Stück ›Elisabeth II‹, ebenfalls in einer Inszenierung von Gerhardt.
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
9. Februar 2005
Regie: David Zane Mairowitz
Produktion: RBB 2004 - Länge: ca. 49 Minuten
Ursendung: 7. Januar 2005
Alles beginnt mit einer zunächst harmlos erscheinenden E-mail, die Elmo eines Morgens auf seinem Rechner findet: Eine junge schwarze Witwe aus Nigeria sucht zur Abwicklung eines Geldtransfers einen deutschen Partner. Zur Belohnung winkt ein großzügiger Geldbetrag. Halb im Spaß antwortet Elmo, obwohl seine Freunde warnen. Sie wittern einen Betrug. Elmo indes ist sorglos, noch meint er die Fäden in der Hand zu halten. Aber er täuscht sich. Ohne es zu merken gerät er in einen gefährlichen, magischen Sog, der ihn nicht mehr losläßt und ihn mehr und mehr ins Verderben treibt. Er wird in die Tiefe gezogen. In den Krokodilsumpf.
Aus der Jurybegründung: »Der Regisseur Mairowitz ist wie der Autor ein Meister der Verknappung und konkreten Überhöhung. Die Suggestion, die seinen Helden antreibt, überträgt sich auf den Zuhörer, auch wenn ihm dabei fast die Haare zu Berge stehen. Nichts wird bewertet, keine Figur erklärt. Phantasie und Begehren des Hörers haben Spielraum. Eine faszinierende, hintergründige, gruselig-amüsante Reise durch die Untiefen des Internets, in die Exotik Afrikas und in die geheimen Abgründe unserer Seelen.«
Mitwirkende:
Elmo: Martin Reinke
Emily Alintah: Marie-Helene Echard
Abubakar Abubakar: Aloysius Itoka
Afrikanische Männerstimme: Missraim Komi Tagbonou
Marion: Regina Lemnitz
Rainer: Joachim Kaps
Felicity Banta: Martha Fessehatzion
Sendung:
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
19. Januar 2005
Regie: Leonhard Koppelmann
Produktion: HR 2004 - Ursendung: 2004-08-08
Das von hr2, der Kulturwelle des Hessischen Rundfunks, produzierte epische Stimmenspiel von Roland Schimmelpfennig ›Für eine bessere Welt ...‹ ist von der ›Deutschen Akademie der Darstellenden Künste‹ zum ›Hörspiel des Jahres 2004‹ gekürt worden.
Das Hörspiel liefert ein »extrem dynamisches Ohrenkino in rasanter, auf das akustische Medium übersetzter Videoclip-Ästhetik«, so die Begündung der Jury.
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
12. Januar 2005

Regie: Klaus Buhlert
Produktion: BR 2004 - 1163 Minuten
1932 notierte Robert Musil: »Die Geschichte dieses Romans kommt darauf hinaus, daß die Geschichte, die in ihm erzählt werden soll, nicht erzählt wird.« Dennoch ließe sich die verflochtene Handlung, die in ›Kakanien‹ - Musils Terminus für die österreichische k.u.k.-Monarchie - kurz vor dem Ersten Weltkrieg spielt, wie folgt skizzieren: Ulrich, der Mann ohne Eigenschaften, nimmt nach drei erfolglosen Versuchen, ein bedeutender Mann zu werden, ein Jahr Urlaub vom Leben. Er gerät über Zufälle in den Salon von Diotima, Gattin des Sektionschefs Tuzzi, in dem eine vaterländische Aktion, die sogenannte Parallelaktion geplant wird. Neben der Parallelaktion beschäftigt der Fall des Prostituiertenmörders Moosbrugger die Gemüter. Ulrich wird von Clarisse, die mit seinem Jugendfreund Walter in einer zerrütteten Ehe lebt, bedrängt, sich für die Begnadigung Moosbruggers einzusetzen, der in einem Irrenhaus auf seine Verurteilung wartet.
Das Projekt ›Der Mann ohne Eigenschaften. Remix‹ entstand aufgrund einer Gesamtkonzeption von Katarina Agathos und Herbert Kapfer. Unter den mitwirkenden Schauspielern sind Manfred Zapatka, Ulrich Matthes, Sunnyi Melles, Josef Bierbichler, Susanne Wolff , Angela Winkler.
In Bayern2Radio waren die 20 Teile des Remix vom 27. Dezember 2004 bis zum 5. Januar 2005 zu hören: täglich zwei einstündige Teile, jeweils um 11.00 und um 16 Uhr. Wiederholt wurden beide Teile noch einmal von 21.00 bis 23.00 Uhr. Als kombinierte Audio- und Print-Version erscheint der Remix in einer Gemeinschaftsausgabe von Hörverlag und belleville Verlag.
Aus der Begründung der Jury:
»Der Remix von Robert Musils Großroman ›Der Mann ohne Eigenschaften‹ ist eine Zumutung für jeden Hörer - eine äußerst erfreuliche Zumutung. Die insgesamt 20stündige Produktion richtet sich nicht an Nebenbei-Hörer, die en passant (den bisher nicht gelesenen) Musil hören wollen und beschränkt sich nicht auf den Roman. Dieser Remix besticht durch Musils äußerst präzise Sprache, akustische Einfachheit, eine strenge Ästhetik und vor allem durch seine Polyperspektivität, seine Vielzahl von Zugängen.«

Hessischer Rundfunk, Kulturamt der Stadt Wiesbaden
7. Januar 2005
›Ganz Ohr‹ ist demnächst wieder das Publikum zahlreicher Veranstaltungen in Hessens Landeshauptstadt: Vom 26. bis 30. Januar bietet das hr2-Hörfest Wiesbaden 2005, das hr2, die Kulturwelle des Hessischen Rundfunks (hr), gemeinsam mit dem Kulturamt der Stadt Wiesbaden bereits zum vierten Mal veranstaltet, jede Menge Gelegenheiten zum bewußten und genüßlichen Hinhören. Vom Schulprojekt, der ›Langen Hörspielnacht‹ bis zur ›Großen hr2-Hörgala‹ reichen die Angebote im Literaturhaus ›Villa Clementine‹, im Foyer des Staatstheaters, im Kino ›Caligari‹ und zahlreichen anderen Wiesbadener Örtlichkeiten.
Höhepunkt und zugleich Abschluß des Festes ist auch in diesem Jahr die feierliche Auszeichnung der Hörbücher des Jahres 2004, die von der Jury der ›hr2-Hörbuch-Bestenliste‹ ausgewählt wurden.
Den Stoff für die lange Hörspielnacht im prachtvollen Ambiente der Villa Clementine liefert Thomas Manns Familiensaga ›Buddenbrooks‹: Am Freitag, 28. Januar, bietet das hr2-Hörfest Wiesbaden 2005 die einmalige Gelegenheit, die berühmte ›Seelengeschichte des deutschen Bürgertums‹ als neunstündiges Hörspiel zu erleben. In der historischen Produktion von hr und Radio Bremen aus dem Jahr 1965 sind unter anderem Gert Westphal, Wolfgang Liebeneiner, Dieter Borsche, Lil Dagover und Horst Tappert zu hören. Das Hörspiel wird ab 16 Uhr in sechs Folgen im Literaturhaus ›Villa Clementine‹ (Wilhelmstraße/Ecke Frankfurter Straße) aufgeführt. Die Besucher der Hörspielnacht können sich in den Pausen mit Speisen und Getränken, ähnlich wie sie im Hause Buddenbrook gereicht wurden, stärken.