Österreichischer Rundfunk
28. Dezember 2004
Österreich 1 startet im Januar 2005 die Serie ›Hörspiel vor 50 Jahren‹. In dieser zwölfteiligen Reihe wird einmal monatlich eine Hörspielproduktion aus dem Jahr 1955 gesendet. Den Auftakt macht am 4. Januar um 20:31 Uhr ›Das Abschiedsgeschenk‹, ein Hörspiel von Terence Rattigan in der Regie von Ernst Schönwiese, der das österreichische Hörspiel auch redaktionell ein Vierteljahrhundert lang mitbestimmte.
Für Hörspiel-Interessierte bietet die Ö1-Homepage ab Januar 2005 einen neuen Service: ausgewählte Neuproduktionen werden mit freundlicher Genehmigung der Autorinnen und Autoren kurzfristig zum Download bereitgestellt. Den Anfang macht ›verstehen der männer der frauen‹ von Lisa Spalt (Erstsendung: 3. Januar 2005, 21.00 Uhr, Ö1). Weitere Infomationen unter http://oe1.ORF.at.
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
13. Dezember 2004
Regie: Gabriele Bigott
Bearbeitung: Gabriele Bigott
Aus dem Russischen übersetzt von Stefan Schmidtke
Komposition: Tobias Morgenstern
Produktion: RBB 2004 - Länge: 48:46
Ursendung: 05. November 2004
Ein Mann in einer großen Stadt, eine Frau an einem der vielen Fenster. Sie telefoniert und bemerkt ihn nicht. Er plaudert, philosophiert, projiziert in einem großen Monolog seine Sehnsüchte auf diese ihm unbekannte Frau. Ein Stück über die Liebe, eigentlich über die Abwesenheit von Liebe und den verzweifelten Wunsch, sie zu finden. Vielleicht reicht schon eine flüchtige Begegnung in der U-Bahn, vielleicht reicht dazu nicht einmal eine Reise um die ganze Welt. Ein Mann macht sich auf die Suche. In der Hörspielfassung bleibt es nicht beim Monolog, die Frau am Fenster begleitet ihn als Darstellerin und Sängerin gemeinsam mit den Musikern auf seiner Gedankenreise.
Aus der Jurybegründung: »Im über weite Strecken fast improvisiert wirkenden, unprätentiösen Tonfall erscheint die Welt ›Der Planet‹ vor allem als eine große Geschichtenlieferantin. Der ›Planet‹ ist ein unaufwendiges, unaufdringliches Hörstück. Es bedarf keiner überbordenden Fülle von Akustik, sondern erhält seinen Charme allein durch Andeutungen. Form und Inhalt ergänzen sich. Daraus ergibt sich eine durch Leichtigkeit und dezente Melancholie bestimmte feine Plauderei fernab penetranter Beliebigkeit.«
Mitwirkende: Winnie Böwe und Boris Aljinovic
Sendung:
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
09. November 2004

Regie: Walter Adler
Produktion: HR
Ursendung: 10. Oktober 2004
›Otherland‹ - das ist das virtuelle Universum, in dem Fantasy Realität wird. Felix Jongleur, der älteste Mann der Welt, und eine Gruppe von sehr reichen, sehr mächtigen Männern und Frauen hat das gigantische Netzwerk erschaffen. Ihr Ziel ist es, als digitalisierte Wesen in ihrer virtuellen Welt unsterblich zu werden.
›Otherland‹ beeindruckt laut Jury durch ihre Imaginationskraft und ihre akustische Qualität. Von den 250 beteiligten Schauspielern werden Sylvester Groth (Paul Jonas), Sophie Rois (Renie) und Matthias Koeberlin (Orlando/Thargor) besonders hervorgehoben.
Für die Jury ist die mit ›Stadt der goldenen Schatten‹ betitelte Auftaktstaffel von ›Otherland‹ ein »vielversprechendes erstes Viertel einer Welt-Geschichte, das an Imaginationskraft illustren Vorgängern wie ›Herr der Ringe‹ mindestens ebenbürtig, zugleich an reflektierendem Zeitbezug überlegen ist«, und das Lust mache auf mehr spannende Geschehnisse und mehr unerhörte Einfälle.
Westdeutscher Rundfunk
09. November 2004

Der Gewinner des ›Online Award 2004‹ steht fest: Der Publikumspreis der ersten ARD-Hörspieltage ging an ›Genua 01‹ von Fausto Paravidino.
Mit dem ›Online Award 2004‹ wird das beste Hörspiel der vom WDR veranstalteten ARD Hörspieltage in Köln ausgezeichnet. Insgesamt waren zehn Neuproduktionen aller ARD-Sender und des DeutschlandRadios am Wettbewerb beteiligt. Bei der Abstimmung für den ›Online Award‹ im Internet waren 5.228 Stimmen abgegeben worden.
Regie: Martin Zylka
Bearbeitung: Martin Zylka
Produktion: WDR
G8-Treffen in Genua im Jahr 2001: eskalierende Gewalt auf den Straßen der norditalienischen Hafenstadt. 300 000 Menschen kamen nach Genua, um friedlich für eine gerechtere Weltpolitik zu demonstrieren: Globalisierungsgegner gegen Staatsmacht. Doch nach diesem Wochenende steht Genua für die blutigste Bilanz einer No-Global-Demonstration: Der junge Italiener Carlo Giuliani wird von einem Carabinieri erschossen, Tausende werden verletzt. Am Ende steht eine einzige Frage: Warum?
›Genua 01‹ ist eine aufschreckende und bittere Bestandsaufnahme der Ereignisse des G8 Gipfels im Sommer 2001.
Regie: Walter Adler
Produktion: SWR
Anfang Juni 1994, zwei Monate nach dem Selbstmord ihres Mannes, des »Nirvana«-Sängers Kurt Cobain, reist Courtney Love in das buddhistische Kloster ›Namgyal‹ in Ithaca, N. Y.. Unter ihren Gepäckstücken ist der geliebte Teddybärrucksack, darin ihr Hochzeitskleid und die Asche ihres Mannes. Mit ihr sollen die Mönche eine Zeremonie vollführen und so Cobains Geist vor seiner Wiedergeburt vom schlechten Karma befreien.
Ein Hörspiel, frei nach tatsächlichen Ereignissen.
Regie: Christine Nagel
Produktion: DLF
Fay, die nach dem Mord an ihrem Ehemann eine lebenslängliche Haftstrafe verbüßt, bekommt nach 15 Jahren Besuch von ihrer Tochter. Josie, 22, hat keine Erinnerung an ihre ersten sieben Lebensjahre. Die Mutter soll ihr dieses Stück Leben wiedergeben.
Wie in jedem guten Krimi, glaubt man sich der Wahrheit zu nähern. Aber die Geschichten der Fay lassen nur Bruchstücke des tatsächlichen Geschehens durchschimmern.
29. Oktober 2004

26. bis 28. November 2004 - in den Schlössl-Lichtspielen, Margaretenstraße 127, 1050 Wien
»Das erstmals stattfindende Festival ›Aufhören! 3 Hör-Spiel-Tage im Schlössl-Kino‹ sucht und versammelt neue Antworten auf die Frage, was Hör-Spiel heute und jetzt alles bedeuten könnte. Es werden aktuelle, in Arbeit befindliche Projekte vorgestellt, die den Begriff des Hör-Spiels reflektieren und erweitern, während es auf der ›Hörspielwiese‹ auch die Möglichkeit gibt, selbst kleine Hörspiele zu basteln und am letzten Abend im Rahmen des Festivals zu präsentieren.«
»Der rote Faden der Hör-Spiel-Tage führt zwischen Produzieren und Rezipieren, Hörspielmachen und Hörspielhören entlang. Diskussionen mit Redakteuren von Ö1 und Radio Orange, mit Hörspielmachern und Vertretern anderer Institutionen sollen auch programmatische Fragen zur Zukunft von Radio- und Hörkunst stellen und mögliche Perspektiven eröffnen: Können im Bereich Hörspiel und Feature analog zu den unabhängigen Filmkooperativen neue Produktionsformen unabhängig von den großen Rundfunkstationen entstehen?«
Westdeutscher Rundfunk
20. Oktober 2004

Der WDR wird vom 4. bis 7. November im Auftrag der ARD in Köln die ›ARD-Hörspieltage‹ veranstalten.
Während der ›ARD-Hörspieltage‹ wird das Publikum Gelegenheit haben, im Funkhaus des WDR die neuesten und interessantesten Produktionen der ARD-Anstalten kennenzulernen. Ein ›Kinderhörspieltag‹ (6. November) wird die schönsten Stücke für den Radio-Nachwuchs vorstellen.
Unmittelbar zuvor und am selben Ort findet das von der nordrhein-westfälischen Filmstiftung veranstaltete ›NRW-Hörspielforum‹ statt. Vom 2. bis 4. November werden Hörspielschaffende, Autoren, Regisseure, Komponisten und andere sich zu ihrem jährlichen Workshop treffen.
»Die Verbindung beider Veranstaltungen in diesem Jahr ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, dem Hörspiel einen starken öffentlichen Auftritt zu verschaffen«, betont Monika Piel, Hörfunkdirektorin des WDR. Michael Schmid-Ospach, der Geschäftsführer der Filmstiftung NRW freut sich auf »ein gutes Angebot von Theorie und Praxis und damit einen wichtigen Impuls für das Hörspiel und seine Hörer«.
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
10. Oktober 2004
Regie: Paul Plamper
Produktion: EIG, DLRB, SWR, Länge: 50 Minuten
Sie sind übelgelaunt und Hundebesitzer. Sie zahlen ihre Miete regelmäßig und grüßen den Hausmeister mit Vornamen. Das Konzentrat dessen, was wir im Großstadtalltag hassen, hat einen Namen: Krüger! Und es werden immer mehr: Ernst Emil Krüger, Egon Erwin Krüger... Sind die Krüger Klone oder gar dreidimensionale Spammails? Wird es Superheld Kantomias gelingen, hier mal gründlich auszufegen? Und was ist überhaupt das Countrykartell? Die Welt schreit nach einem Superhelden, einer muss dafür herhalten: Kantomias!
Aus der Begründung der Jury:
»Paul Plamper, P. R. Kantate und Robert Ohm persiflieren in ihrem Hörspiel ›Sacht bescheid, denn com..ic‹ aktuelle Film-, Musik-, Computer- und Internetentwicklungen. Tradierte Wirklichkeiten spielen in diesem grenzenfreien Hör-Comic keine Rolle mehr, Realitäten, Träume und virtuelle Welten werden turbulent und futuristisch verwirbelt. Die Berlin-Kreuzberg-Fantasy ist rasant, grell, schnoddrig, albern, laut, frech - und überzeugt durch unorthodoxen Sprachwitz, beträchtliche Spielfreude und überzogene, aber sehr präzise beobachtete Sprachstile.«
Paul Plamper, geboren 1972, Regisseur und Hörspielmacher. 2002 Prix Europa für ›Top Hit leicht gemacht‹ (WDR, NDR).
P.R. Kantate, geboren 1974, Sänger, Texter, Entertainer. Sommerhit 2003 mit ›Görli Görli‹.
Sendung:
Schirmherrin: Sabine Christiansen
08. September 2004

Die Idee hinter ›Ohr liest mit‹: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene lesen gemeinsam Bücher zu einem bestimmten Thema und setzen ihre Lektüre in ein Hörspiel um oder machen sie zur Basis eines Features. Aus einem individuellen Leseerlebnis wird in Zusammenarbeit mit anderen ein hörbares Produkt gestaltet, das dann einer Fachjury vorgestellt wird. Der Wettbewerb steht unter einem jährlich wechselnden Motto - in diesem Jahr: ›Blick in die Zukunft - Was passiert morgen?‹. Als Hilfestellung erhalten die Teilnehmer eine themenbezogene Literaturliste des Börsenvereins für jede Altersstufe sowie eine Anleitung zur Arbeit mit Hörmedien.
Die Teilnahmebedingungen:
Mitmachen kann jeder bis zum Höchstalter von 20 Jahren. Die Beiträge werden in drei Altersklassen bewertet: Von 6 bis 10 Jahren (Grundschule), von 11 bis 16 Jahren (Sekundarstufe I und II) und von 17 bis 20 Jahren (Oberstufe oder Berufsschule). Zum Start im Oktober 2004 versorgt der Börsenverein bundesweit alle Schulen mit Projektunterlagen, auch Buchhandlungen und Bibliotheken werden informiert. Der Wettbewerbsbeitrag darf sieben Minuten nicht überschreiten, er kann als CD, MC oder MP3 zusammen mit einem Manuskript eingesendet werden. Einsendeschluss ist der 15. März 2005. Eine Jury aus Fachleuten und Prominenten vergibt anschließend die Preise, die bei einer feierlichen Abschlussveranstaltung am 2. Mai 2005 in den Räumen des Hessischen Rundfunks überreicht werden.
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
06. September 2004
Regie: Leonhard Koppelmann
Produktion: HR, Länge: 88 Minuten
In diesem chorischen Epos über die mythische Präsenz des Krieges haben die kämpfenden Frauen und Männer eine normale, eine profane Geschichte als Barkeeper oder Fotomodell. Doch irgendwann scheint diese ausgelöscht. Schimmert wie ein fernes, dumpfes Licht über den Alltag, den Krieg. Warum er geführt wird, ist schon lange nicht mehr relevant. Der Krieg als Konstante bleibt bestehen.
Gelobt werden von der Jury die »durch Musik, Geräusche und Originaltöne ungemein plastisch gestalteten Welten, in denen sich die berichtenden Helden bewegen«. »Abrupte Wechsel zwischen Krieg und Frieden, Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Mythos, Ernst und Komik, Hightech und Archaik kennzeichnen das Hörspiel - und doch entwickelt sich aus den kunstvoll aneinandergeschnittenen Bruchstücken eine immer wieder überraschende, offene Geschichte«, heißt es weiterhin in der Begründung.
Sendung:
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
16. August 2004
Produktion: RB, Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung 2004 - Länge: 59 Minuten
Regie: Hermann Bohlen
Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste in Frankfurt am Main hat die Produktion ›Onager‹ von Hermann Bohlen zum Hörspiel des Monats Juli 2004 gewählt. ›Onager‹ ist eine dreiteilige akustische Entdeckungsreise in die Welt der 50er Jahre. Der Titel nimmt Bezug auf die 1954 von einem Tierfänger des Tierparks Hagenbeck wieder aufgespürte Spezies der Onager, die bis dahin als ausgestorben galt.
Ähnlich ihrer Wiederentdeckung in der persischen Wüste werden in dem Hörspiel verschollene Töne, Sprecher und Formen von Hermann Bohlen in drei Montagen neu entdeckt. Das Material stammt teils aus Originalbändern aus den Archiven des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, teils wurde es von Privatpersonen zur Verfügung gestellt.
Teil 1 - ›Traurige Tiere‹ (19:19) befasst sich mit der Gefühlswelt der 50er Jahre und entstand aus Funden, die der Autor im Radio Bremen-Archiv machte.
Teil 2 - ›Maria fang an‹ (18:46) ist den Anfängen der privaten Nutzung einer neuen Aufzeichnungstechnik (Tonband) gewidmet.
Teil 3 - Beim Monolog ›Frage Nummer Eins‹ (20:58) handelt es sich um einen bearbeiteten Tonbandbrief, den ein älterer Mann 1959 für seine Tochter sprach ...
Die Hörspiel-Jury hat sich von Hermann Bohlens Spielfreude im Umgang mit dem gefundenen Material anstecken lassen und hob in ihrer Begründung unter anderem hervor: »Doch vor allem erzählt ›Onager‹ von einer weitverbreiteten, authentischen, ja ansteckenden Lust am akustischen Medium und am Radioexperiment. In jedem Menschen steckt ein Hör-Spieler«.
›Onager‹ wurde im Juli im Nordwestradio im Rahmen der Reihe ›Hörspiele der 50er Jahre‹ urgesendet. Eine Wiederholung des ausgezeichneten Hörspiels bringt der Deutschlandfunk am 2. Oktober um 20.05 Uhr.
11. August 2004
Der australische Komponist, Violinist und Performancekünstler Jon Rose erhält den Karl-Sczuka-Preis für sein Hörstück ›Skeleton in the Museum‹ (Ursendung ABC 2003-10-13). Rose verarbeitet darin historische Tondokumente des Grainger-Museum in Melbourne, das Pionierarbeiten der akustischen Kunst dokumentiert.
Der Südtiroler Schriftsteller Oswald Egger erhält den Karl-Sczuka-Förderpreis für seine ORF-Produktion ›tuning, stumm‹, die am 18. Juli 2004 vom ORF Kunstradio urgesendet wurde.
Begründung der Jury:
»Der Australier Percy Grainger (1882-1961), eine der originellsten Außenseiterfiguren in der angelsächsischen Musikszene des frühen 20. Jahrhunderts, Komponist, Klaviervirtuose und Erfinder, stiftete zu Lebzeiten in Melbourne sein eigenes Museum, dem er testamentarisch sein Skelett als Exponat vermachte. ›Skelett im Museum‹ nennt der Australier Jon Rose (geboren 1951), Komponist, Violinvirtuose und Erfinder, seine Hommage an den fast vergessenen Landsmann - eine akustische Spurensuche, die als Rundgang durch das Grainger-Museum inszeniert ist. In ständigem Wechsel musikalischer und dokumentarischer Spielformen entsteht ein facettenreiches Künstlerporträt, respektlos, liebevoll und von exzentrischer Komik.«
07. August 2004

Zum ersten Mal wird in diesem Jahr der Hörgarten veranstaltet - Das Hörspielfestival in Dresdens Großem Garten. Geboten wird vom 27. bis 29. August 2004 eine abwechslungsreiche Mischung neuer, alter, kultiger, experimenteller, lustiger, spannender Hörspiele. Abgerundet wird das ganze durch einen nicht weniger beeindruckenden Veranstaltungsort: das Parktheater im Großen Garten.
Und für diejenigen, die schon selbst Hörspiele produziert haben und diese einer fachkundigen Jury sowie breitem Publikum vorstellen wollen, gibt es auch einen Wettbewerb! - Einsendeschluß 15. August 2004.
28. Juli 2004
Deutschlandradio Berlin präsentiert ab September 2004 die ›Wurfsendung‹ im Tagesprogramm. Nach dem interaktiven RadioSoap oder dem ›Geräusch des Monats‹ setzt die ›Wurfsendung‹ in maximal 45 sekündigen Beiträgen die Reihe innovativer Formen aus dem ›Radiolabor-Hörspiel‹ fort.
Ob Mikrodrama, O-Ton, Krimi oder spontaner Einfall - Wurfsendungen experimentieren mit inhaltlichen und formalen Möglichkeiten des Hörspiels. Die ›Wurfsendung‹ soll gängige Formate sprengen und überraschende Denkanstöße liefern.
24 Autoren wie zum Beispiel Hermann Bohlen, Jan Peter Bremer (›Anzeigen: Multimediaprojekt‹), Oliver Bukowski, Dirk Praller, Lorenz Schröter, Christine Ohnemus (›Lotte auf dem AB‹) oder Elke Naters; 20 Regisseure und 60 Schauspieler beteiligen sich an der von Nathalie Singer betreuten Umsetzung des neuen Radioformats.
9. Juli 2004
Der Leipziger Verein Sojus e.V. lädt vom 9. bis zum 18. Juli 2004 zum Hörspielsommer ein. Über 70 Hörspiele werden im diesjährigen Programm präsentiert. Der Eintritt ist wie im vergangenen Jahr frei. Einige Abende sind speziellen Themen gewidmet. Für Kinder laufen Hörspiele am Nachmittag. Besucher können den Hörspielsommer montags bis freitags von 17.00 Uhr und am Wochenende von 13.00 Uhr an erleben.
Allen Anhängern von Douglas Adams bietet sich die Möglichkeit beim ›Intergalaktischen Marathon‹ (15. Juli, 20:00 Uhr) eine ganze Nacht ›Per Anhalter ins All‹ zu reisen. Außerdem wurden in diesem Jahr einige bedeutsame Stücke der deutschen Hörspielgeschichte ausgewählt: Mit Klassikern von Ingeborg Bachmann, Günter Eich und Max Frisch sind es vor allem berühmte Werke aus den 50er Jahren.
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
5. Juli 2004

Produktion: MDR 2004 - Länge: 145 Minuten
Regie: Götz Fritsch
Bearbeitung: Caren Fischer
Übersetzung: Mathilde Mann
Komposition: Paul Hoorn
Pelle ist erst sieben Jahre alt, als seine Mutter stirbt. Sein einziger Halt im Leben ist nun Vater Lasse, der mit ihm die Überfahrt von Schweden auf die Insel Bornholm wagt, um dort Arbeit zu finden.
Aber wer will schon einen ausgezehrten älteren Mann mit einem kleinen Jungen? Schließlich nimmt man sie auf dem berüchtigten Steinhof, wo der Verwalter mit Schlägen und Repressalien regiert, und die Nächte vom Weinen der Gutsherrin erfüllt sind. Obwohl Pelle seinem Vater viele Stunden am Tag im Kuhstall zur Hand geht, scheint ihm keiner von den Knechten und Mägden zu gönnen, dass der Hof für ihn auch ein Abenteuer ist, bei dem es wundersame Dinge zu entdecken gibt. Der Schlimmste von allen ist der Landwirtschaftseleve, ein fünfzehnjähriger dänischer Bengel, vor dem ihn auch Vater Lasse nicht beschützen kann.
Mit Hellmut Lange als Erzähler, Hilmar Thate als Vater von Pelle, der seinem Alter entsprechend dreifach mit Frowin Wolter, Cornelius Lipp und Odi Zahavi besetzt ist und anderen.
Für Literaturfreunde verbindet sich der Name des dänischen Schriftstellers vor allem mit seinem Roman ›Pelle der Eroberer‹. Im deutschsprachigen Raum erlangte Nexø zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Veröffentlichungen in der ›Leipziger Volkszeitung‹ Bekanntheit. Der dortige Feuilletonredakteur - Gustav Morgenstern - übersetzte einige Novellen des Dänen ins Deutsche und veröffentlichte unter anderem ›Pelle, der Eroberer‹ als Fortsetzungsroman.
Aus der Jurybegründung:
»Die MDR-Produktion in der Regie von Götz Fritsch gestaltet die Entwicklungsgeschichte des siebenjährigen Pelle, der sich mit seinem Vater Lasse aus Schweden kommend auf einem Gut auf der dänischen Insel Bornholm verdingt, fern aller Wortspielereien und Soundexperimente als Erzählstück zwar konventioneller Art, aber gerade dadurch dem Stoff angemessen umso eindringlicher.«
»›Pelle, der Eroberer‹ ist ein akustisch ungemein plastisches ›Landhörspiel‹ mit einem so gefühlvollen Erzählfluss, dass es den Hörer auch über die beträchtliche Länge von fast zweieinhalb Stunden zu fesseln vermag.«
Sendung:
04. Juli 2004

Produktion: RB, WDR 2003 - 212 Minuten
Regie: Alfred Behrens
Bearbeitung: Alfred Behrens
Case ist 24 und seine Karriere am Ende. Seine Auftraggeber haben sich wegen eines Betrugs an ihm gerächt, seine Nervenenden ›gespliced‹, sie mit Mykotoxinen zerstört. Dadurch hat Case keinen Zugang mehr zur Matrix des Cyberspace. Mit Drogen, Alkohol und Hehlereien hält er sich in den Straßen der korrupten Unterwelt von Tokio nun über Wasser.
Unerwartet bekommt er ein Angebot: Heilung gegen Datenbeschaffung. Sein Auftrag: Case soll die verschlüsselten Computersysteme des schweizer Industriellen-Clans Tessier-Ashpool hacken. Er gerät, ohne zu wissen wer seine wirklichen Auftraggeber sind, in die Auseinandersetzungen zwischen den beiden konkurrierenden künstlichen Intelligenzen ›Wintermute‹ und ›Neuromancer‹. Er taucht ein in finstere Welten voller skurriler Gestalten und Mächte des virtuellen Raums.
Das Hörspiel Neuromancer wird im September 2004 im Nordwestradio wiederholt.
16. Juni 2004
Die Berliner Akademie der Künste (AdK) hat die für November geplante 18. Woche des Hörspiels abgesagt. Grund dafür sei das Scheitern der Kooperationsverhandlungen mit der ARD.
Die Akademie hatte die Woche des Hörspiels als bedeutendstes Festival der Radiokunst und zentrales Forum des deutschen Hörspiels seit 18 Jahren veranstaltet. Der AdK-Sprecher äußerte sich zuversichtlich, daß eine Fortsetzung im nächsten Jahr gelingen wird.
Die ARD plant nun, im Herbst ein eigenes Festival mit dem Titel ›ARD-Tage des Hörspiels‹ zu veranstalten. Der WDR ist beauftragt, ein Konzept für die Veranstaltung zu erarbeiten, die vom 4. bis 7. November stattfinden soll.
›PLOPP‹, der Wettbewerb der freien Hörspielszene, ist von der aktuellen Entscheidung nicht betroffen und wird weiterhin von der Akademie der Künste veranstaltet. Der Termin für dieses Jahr ist Freitag, der 12. November 2004.
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
1. Juni 2004
Produktion: HR2 2004 - Länge: 64 Minuten
Regie: Hermann Kretzschmar
Komposition: Hermann Kretzschmar
Von 1941 bis 1944 diente Ernst Jünger als Hauptmann im deutschen Stabsquartier in Paris. Seine Tagebücher sind »im totalitären Staat das letzte mögliche Gespräch«. Sie bezeugen Nähe wie Distanz zum NS-Regime und sind zugleich eine originäre literarische Weltaneignung. »Seit Jahren lese ich in den ›Strahlungen‹ von Ernst Jünger. Der Text ist als ein Mix aus Todesbildern, Naturbetrachtungen, historischen Notizen, Zitaten, Traumwelten, Reflexionen über Frauen, Nihilismus und über den Mythos der Stadt Paris hochmodern und von einer niederzwingenden Totalität. Wie hier Anarchismus und Archaismus, Tradition und Moderne aufeinanderprallen, das ließ mich pendeln zwischen Begeisterung und Ablehnung. Zugleich evozierte der Text für mich immer schon Musik, die ihre Herkunft aus traditionellen Wurzeln begreift und durch den Konzeptualismus und Minimalismus der Moderne gefiltert ist. Musik als Gegenbild, Ergänzung, Kommentar zu den Szenen des Träumers, Beobachters und Künstlers Ernst Jünger, Musik als Kammeroper und Essay zugleich: Musik als vielleicht neues, unverhofftes Medium des ›praesentes sed invisibiles‹ der ›Strahlungen›«.
(Hermann Kretzschmar)
Mit Wolfram Koch, Tom Sol, Angelika Luz und anderen.
Ernst Jünger (1895-1998) gehört zu den international bedeutenden, vor allem in Frankreich verehrten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts. Werke: u.a. ›In Stahlgewittern‹ (1920), ›Auf den Marmorklippen‹ (1939).
Hermann Kretzschmar, Jahrgang 1958, lebt in Frankfurt am Main als Komponist, Hörspielmacher und Pianist beim Ensemble Modern.
Laut Jury verleihe Kretzschmar »mit seinen ›minimalistischen, fast rituellen und sehr eindringlichen Neukompositionen Jüngers kalten Eintragungen eine ganz neue, klassisch strenge Ästhetik‹. Mit seiner ›Hörspielkammeroper‹ sei ihm ein ›unerhörtes Radiokunstwerk‹ gelungen, ›das sich durch seine Radikalität und Strenge vom gegenwärtigen Hörspielmainstream mit seinen vielfältigen Kriegs- und Liebesgeschichten deutlich absetzt.‹ ›Strahlungen‹«, heißt es in der Begründung weiter, »ist keine Literaturadaption mehr, sondern ein ebenso individuelles wie rätselhaftes und irritierendes Hörwerk, das auch ausgehalten werden will.«
Sendung:
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
19. Mai 2004
Produktion: BR 2004 - Länge: 75 Minuten
Regie: Leonhard Koppelmann
Komposition: Ulrich Bassenge
Das Hörspiel ist Splattermovie, Melodram und Musical zugleich, Britta Höper siedelt die Geschichte in einem mythischen Amerika an, wissentlich schwankend zwischen Recherche, Nachdichtung und Klitterung. Die Protagonisten singen deutsch, sprechen deutsch und denken vermutlich deutsch. Die Band spielt 12 Lieder, die in freier Nachdichtung große Songs des Western Swing neu erfinden. Die Komposition von Ulrich Bassenge ist Western Swing mit einem zeitgenössischen edge, sie berührt Americana, Filmmusik und Elektronika. Geräusch- und Musikebene vermischen sich. In den zwischen die Szenen gestreuten Inserts kommen die großen Themen Showgeschäft, Musik, Drogen, Spiel, Zeit, Prärie, Tod, Liebe zur Sprache, die auch die Themen großer Countrysongs sind.
Britta Höper, geboren 1969 in Lübeck, lebt als freie Autorin in Hamburg. 1998-2000 Filmstudium an der Universität Hamburg, Fachbereich Drehbuch. Freie Mitarbeit für Musikzeitschriften, Regieassistenzen bei Theaterprojekten, Realisation eigener Kurzfilme. Minidrehbücher 'Smirn & Gratze', auf http://www.be09.de. BR-Hörspiel: 'Störung' (2002).
Aus der Begründung der Jury:
»In der sehr szenischen Hörspiel-Inszenierung von Leonhard Koppelmann werden die Grenzen zwischen Hörspiel und Musik, Kulturanspruch und Nebenbei-Medium immer wieder gezielt und innovativ neu ausgelotet. Peter Lohmeyer spricht den scheiternden ›Showboy‹ Cooley so herrlich eigen und überheblich, dass man ihn sich mindestens ins Vorprogramm der nächsten ›Truck Stop‹-Tournee wünscht. Auch deshalb, weil die eigens für diese Produktion entstandenen Western-Swing-Kompositionen von Ulrich Bassenge wie ›Schäm Dich‹ oder der ›Amphetamin Blues‹ (mit deutschen Texten von Britta Höper) viel zu schade zum einmaligen Versenden wären.«
Sendung:
Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, Stadt Wuppertal
23. April 2004
Produktion: HR, NDR 2002 - Länge: 50 Minuten
Regie: Stefan Hardt
Bearbeitung: Stefan Hardt
Komposition: Stefan Hardt
Übersetzung: Gisela & Michael Wachinger
Stefan Hardt hat sieben Texte von Charms musikalisch eingerichtet, sie mit allerhand Geräuschen (u.a. einem lachenden Elefanten) versehen, sie zusammen mit Kindern und Erwachsenen aufgenommen und zu einem Hörspiel arrangiert, das den Unterschied zwischen groß und klein unmerklich zum Schwinden bringt.
»›Einfach Schnickschnack‹, das ist im besten Sinne ein Hör-Spiel, ein Stück, das mit dem Hören spielt, ein Spiel mit Fantasien, kleinen Geschichten und den Worten selbst, das sich voll und ganz allein durchs Hören erschließt. Aus den zahlreichen Einreichungen ragte es schon deshalb heraus, weil es gar nicht erst versucht, eine geschlossene Geschichte zu erzählen - die Offenheit der Assoziationskraft ist das Prinzip dieses Hörspiels, zu dessen Gelingen auch die Spielfreude der kindlichen Darsteller wesentlich beiträgt«, heißt es in der Begründung der Jury.
Mitwirkende: Hermann Lause, Inga Busch, Tilo Prückner u.a.
Ursendung:
HR2 | Mittwoch, 06. November 2002 | 20:30 Uhr
Das Hörspiel ›Mascha und Mucks, die Mäuseprinzessin‹ von Gabriele Neumann (DLRB 2002) erhält die Auszeichnung der Kinderjury.
Die Preise werden am 8. Mai in Wuppertal verliehen.
SRG-SSR
14. April 2004
In der Kategorie ›Feature‹ ging der Prix Suisse an Rete Uno (RSI) für ›Home, sussurri e grida‹. Der Journalist Marco Horat und der Regisseur Mino Müller berichten über die stockend erzählten Erfahrungen von randständigen Jugendlichen an der Peripherie von Lugano. Besonders angetan waren die Jurymitglieder vom meisterhaften Umgang mit den Techniken der Radiogestaltung und der ausgezeichneten Regie. Das Werk beweise einmal mehr, daß auch eine schmucklose Darstellung dem Radiopublikum ein Hörerlebnis erster Güte bescheren kann.
In der Kategorie ›Hörspiel‹ wurde der Prix Suisse von SR DRS 2 an Rete Due für die Sendung ›La Belle Epoque della Banda Bonnot‹ vergeben. Damit hat die Jury insbesondere das hervorragende Drehbuch und die Regie (Claudio Laiso und Lara Persia) ausgezeichnet. Der erfolgreiche Versuch, unterschiedliche Genres (vor allem Erzählung und Musik) zu einer Einheit zu verschmelzen, verdiene besondere Beachtung, lautet das Urteil der Jury.
Mit dem Prix Suisse, der in erster Linie der Selektion für den Prix Italia dient, werden jedes Jahr die besten Radioproduktionen der SRG-SSR ausgezeichnet. Der Preis soll die Entwicklung herausragender Leistungen im Bereich Features und Hörspiel fördern.
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
08. April 2004
Produktion: HR 2004 - Länge: 71 Minuten
Aus dem Niederländischen von Waltraud Hüsmert
Bearbeitung: Norbert Schaeffer
Regie: Norber Schaeffer
Komposition: Waltraut Hüsmert
In diesem frühen Werk des niederländischen Autors sind bereits all seine späteren Themen in ungleich radikalerer und elementarerer Weise enthalten: die geistige Enge der Provinz, streng calvinistischer Glaubensfanatismus, die Entbehrungen der Nachkriegszeit, das schon in früher Kindheit erfahrene Gefühl von Einsamkeit und Isolation, unerwiderte Liebesbemühungen, schließlich die leidenschaftliche Liebe zur Musik.
Der 30jährige Maarten, inzwischen ein erfolgreicher Wissenschaftler und Professor für Gewebezüchtung, wächst auf in der Abgeschiedenheit des niederländischen Reetlandes; ohne Geschwister und Spielkameraden, mit einem fast stummen Vater, ist die Mutter seine einzige Bezugsperson. Sie liebt er, bis auch sie bei einem der seltenen Stadtbesuche einen ihn traumatisierenden Verrat begeht. Von seinen Mitschülern und seiner heimlichen Liebe Martha abgelehnt, bleibt Maarten zeitlebens anderen Menschen gegenüber fremd - er ist dem Wahnsinn nahe. Als er bei der Hochzeit seines besten Freundes Marthas jüngere Schwester, eine Biologin, kennenlernt, verabredet er sich zum ersten Mal mit einem Mädchen. Doch kurz darauf ergibt sich für ihn die Möglichkeit, seine Jugendliebe Martha wiederzusehen ...
Aus der Begründung der Jury:
»›Ein Schwarm Regenbrachvögel‹ besticht durch stimmungsvolle poetische Landschaftspanoramen, eindringliche und realistische Szenen und oszilliert beeindruckend zwischen Kindheit und Erwachsenenalter, Alltag und Religion, Liebe und Grausamkeit, Einsamkeit und Gemeinschaft, Auflehnung und Integration. Als Sprecher ist Andreas Grothgar hervorzuheben.«
Mit Andreas Grothgar, Kornelia Boje, Berthold Toetzke u.v.a.
Sendung:
Live auf den Kulturwellen der ARD und im Internet - 26. März 2004 20:05-24:00 Uhr
20. März 2004
Am 26. März gibt es auf der Leipziger Buchmesse eine besondere Veranstaltung für Hörbuchfreunde. Vier Stunden lang dreht sich dann alles um gesprochene Literatur. Es gibt also viel zu hören, der Gewinner des HörKules, des Hörbuchpreises des deutschen Buchhandles wird via Ted bestimmt - und neue Hörbuch-Projekte werden vorgestellt.
Mit dabei unter anderem Christian Brückner, Uwe Friedrichsen, Jochen Hieber, Leonhard Koppelmann, Maren Kroymann, Peter Matic, Paul Maar, Anna Thalbach und Armin Rohde.
Die ARD-Radionacht der Hörbücher wird ausgestrahlt als Gemeinschaftssendung von MDR Figaro, Bayern2Radio, hr2, NDR Kultur, RBB Kulturradio, Nordwestradio Bremen, SR 2 Kultur Radio, SWR 2, WDR 5 und DeutschlandRadio auf MW.
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
19. März 2004
Produktion: HR 2003 - Länge: 74 Minuten
Regie: Andreas Weiser
Komposition: Andreas Weiser
In diesem O-Ton-Hörspiel verschränken sich die Texte von Humboldt mit den Stimmen der Ausgewanderten und den Klängen der ungebändigten Natur zu einem Fluss der Bilder vom Mythos Lateinamerika, erzählen und erfinden Geschichten vom Leben und Überleben - und von der Faszination an einem unwirtlichen und unfassbaren Teil der Erde.
»Keine Rekonstruktion der Reise, kein Portrait der Aussteiger, kein Lamento über den Niedergang der Natur durch den technischen Fortschritt, keine Ethno-Studie zum guten Indianer: vielmehr Töne und Texte montieren zu einer suggestiven musique concrète über die Wahrnehmung von Wildnis und Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln: aus dem von Humboldt, Otto und Heinz, schließlich meinem«. (Andreas Weiser)
In ihrer Begründung erklärt die Jury, der Autor und Musiker Andreas Weiser habe »seine faszinierenden O-Töne mit literarisch formulierten Beobachtungen des Amazonas-Reisenden Alexander von Humboldt um 1800 und den authentischen Erfahrungen zweier bodenständiger deutscher Auswanderer von heute auf zuweilen skurrile Weise verschränkt«. Weiser, der auch Regie führte, gelinge nach Auffassung der Jury eine »akustisch vielschichtige, behutsam rhythmisch grundierte und glänzend ausbalancierte Collage, die den Dschungel mit seinen Schönheiten und Gefahren, in Realität und Mythos beeindruckend suggestiv durch die Ohren in den Kopf dringen lässt«.
Humbolt: Guntram Brattia; sowie Otto Höfer und Heinz Boeckler
Sendung:
Eine lobende Erwähnung erhielt das Hörspiel ›Morgen und Abend‹ von Jon Fosse.
27. Februar 2004
Regie: Martin Sailer
Produktion: ORF-T 2003 | 55:37
Ursendung: 7. Dezember 2003
Komposition: Siggi Haider, Hannes Sprenger
Ein Mann betritt einen Beichtstuhl und will vom Priester die Absolution für ein Verbrechen.
Das Hörspiel ›Die Beichte‹ handelt von der beinharten Abrechnung eines Mannes mit einem Priester, der ihn einst sexuell missbraucht hat, und mit seiner eigenen Schuld. Denn inzwischen ist das Opfer selbst zum Täter geworden: gegenüber seinem eigenen Kind. Mitterer stellt in der Begegnung der zwei Männer auch die Frage nach möglicher Vergebung und Versöhnung.
Mit: Kurt Weinzierl (Pater Eberhard) Pepi Pittl (Martin) Raphael Haider (Kind Martin und Kind Sebastian) Musik: Siggi Haider (Orgel), Hannes Sprenger (Saxophon) Karlheinz Schmidt: Gesang bei ›Granada‹; Klavierbegleitung: Reinhard Mathoy
Die Beichte wird am 2. März (20.30 Uhr) auf Ö1 erneut ausgestrahlt.
Auf dem zweiten Platz bei der Publikumswahl landete Dostojewskis ›Der Doppelgänger‹ knapp vor ›Supermarkt‹ von Marlene Streeruwitz. Ebenfalls in den Top Ten sind Hörspiele von Andreas Renoldner, Friederike Mayröcker, Carl Gundolf, Johannes Gelich, Elisabeth Reichart, Ernst Molden und Daniela Egger/Wolfgang Herrmann zu finden.
26. Februar 2004
Regie: Karl Bruckmaier
Produktion: BR 2003 | 55:33
Die österreichische Schriftstellerin und Dramatikerin Elfriede Jelinek erhält den Hörspielpreis der Kriegsblinden für ihr Hörspiel ›Jackie‹ über die 1994 gestorbene US-Präsidentengattin Jacqueline Kennedy.
Eine ehemalige Heroine Amerikas, ein längst verstorbenes Idol, ruft aus dem Jenseits die Toten an. Dabei erschafft sie ein Bild von sich selbst, sie prüft Inhalt und Form ihrer Rolle, sie inszeniert sich als Kunstwerk. Mit biografischen Fakten und einem permanenten Vergleich mit Marilyn Monroe, Jackies stärkster Gegenspielerin, umkreist Jelinek in ihrem Hörspielmonolog Jacqueline Bouvier (1929 - 1994), die Witwe des US-Präsidenten John F. Kennedy und des griechischen Milliardärs Aristoteles Onassis. Ein Leben voller Glanz und Glamour, Bedeutung und Behauptung, Schicksalsschläge und Schocks. Das konzentrierte Textgebilde zieht immer engere Kreise um die Person, äußert sich immer deutlicher über die Eigenwahrnehmung des Charakters, die Einschätzung des politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehens, die Analyse der Familienverhältnisse.
Die Jury lobte an dem vom Bayerischen Rundfunk produzierten Hörspiel, dass Jelinek mit den sparsamen Mitteln des Monologes und doch mit dem gesamten Reichtum dichterischer Sprache das Bild einer Person der Zeitgeschichte entstehen lässt: »Eine Tote und Untote, ein Mediengespenst und ein Zombie spricht mit wegwerfender Kälte zu uns, doch so widerfährt Jacqueline Kennedy mehr Gerechtigkeit als durch sich einschmeichelndes Verständnis oder Gesellschaftskritik«.
Elfriede Jelinek, geboren 1946 in Mürzzuschlag/Steiermark. Romane, Theaterstücke, Libretti, Drehbücher, Hörspiele. Auszeichnungen u.a. Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln (1986), Georg-Büchner-Preis (1998), Berliner Theaterpreis (2002), im Jahr 2004 erhält sie den Lessing-Preis; Hörspiele: ›Die Jubilarin‹ (BR 1978), ›Burgteatta‹ (BR/ORF 1991), ›Präsident Abendwind‹ (BR 1992), ›Todesraten‹ (mit Olga Neuwirth, BR 1997), ›er nicht als er‹ (BR 1998).
Karl Bruckmaier, geboren 1956 in Pfarrkirchen. DJ, Journalist und Hörspielautor. Hörspiele: ›Art‹ (BR 1989), ›Front‹ (BR/HR 1989), ›Index‹ (BR 1990), ›Kimako's Blues People and the Nuyorican Poets Café present‹ (mit Miguel Algarin/Amiri Baraka, BR 1994), ›Dann aber wird ein Dichter an ihm verlorengegangen sein - Mutmaßungen über Jakob van Hoddis‹ (BR 2002).
Die Auszeichnung wird am 7. Juni im Plenarsaal des Bundesrates in Berlin übergeben.
19. Februar 2004
Wien (OTS) - Am Freitag, den 27. Februar 2004 findet die elfte ›Lange Nacht des Hörspiels‹ im Wiener RadioKulturhaus und im Literaturhaus Salzburg statt. Beginn der Veranstaltungen ist um 19.00 Uhr, der Eintritt ist frei.
Im Großen Sendesaal des RadioKulturhauses wird es Diskussionen geben, die die Bereiche Autorenschaft, Darstellung und Regie thematisieren. Erstmals wird auch das KlangTheater einbezogen: Dort wird den ganzen Abend über eine Reihe von ausgewählten Hörspielkrimis vorgespielt. Für die musikalische Begleitung des Abends sorgt ein Autor, der auch die Musik zu seinem Hörspiel selbst geliefert hat: Ernst Molden und seine Band ›Die neuen Herren‹. Die Höhepunkte des Abends bilden die Ehrung von Peter Simonischek als ›Schauspieler des Jahres 2003‹ - die Laudatio hält Klaus Gmeiner - und die Bekanntgabe und Präsentation des ›Hörspiels des Jahres 2003‹, das vom ORF-Publikum gewählt wurde.
07. Februar 2004

Autor: Edith Schreiber-Wicke
Bearbeitung: Justyna Buddeberg-Mosz
Regie: Justyna Buddeberg-Mosz
Komposition: Robert Zollitsch
Produktion: BR 2002 | ca. 43 Minuten
Im Land unter dem Regenbogen warten die Noch-Nicht-Geborenen auf die Abreise ins Leben. Sie haben spannende Pläne für ihre Lebenszeit. Auch Naomi, die als Down-Syndrom-Kind geboren wird: »Ich will, dass jeder, der mir begegnet, darüber nachdenkt, was wirklich wichtig ist.«
Die Eltern und der neunjährige Bruder auf der Erde freuen sich auf das neue Kind, aber sie wissen noch nicht, wie es sein wird...
Mit: Naemi Friedrich, Paul Herwig, Theresa Kohlhäufl, Dominik Liesegang, und anderen.
Zweiter Preis: Christina Calvo - Der Zug nach Wicklow | MDR 2003
Dritter Preis: Adolf Schröder - Weißauge | WDR 2003
Die Auszeichnungen werden am 28. März 2004 auf der Leipziger Buchmesse verliehen.
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
6. Februar 2004
Regie: Ronald Steckel
Produktion: RB, WDR 2003 | ca. 79'
Der österreichische Autor und Verleger Heimrad Bäcker hat sein literarisches Lebenswerk einer Nachschrift des Nationalsozialismus und des Holocausts gewidmet. Er hat die schriftlichen Zeugnisse der unbeschreibbaren ›nationalsozialistischen Tötungsmaschinerie‹ und das Sprach- und Aktenmaterial der überlieferten Dokumente des Dritten Reiches den Methoden der konkreten Poesie unterworfen - ein künstlerischer Prozess, der die verschleiernde, vertauschende Sprachverwendung totalitärer Systeme verdeutlicht und bewusst und erfahrbar macht.
Der Regisseur Ronald Steckel hat in Zusammenhang mit dem Autor aus den beiden Text-Bänden ›nach-schrift‹ und ›nachschrift 2‹ und aus unveröffentlichten Texten des Autors den Radio-Text ›Epitaph‹ zusammengestellt und mit sieben Sprechern inszeniert.
Heimrad Bäcker, geboren 1925 in Wien, war wegen einer Kinderlähmung nicht ›kriegsverwendungsfähig‹, wurde aber HJ- und Parteimitglied. Nach dem Krieg studierte er Philosophie, Soziologie und Völkerkunde in Graz und Linz und promovierte 1953 mit einer Dissertation über Karl Jaspers. Seit den Nürnberger Prozessen studierte er die zeitgeschichtlichen Quellen, war Mitglied der Künstlervereinigung MAERZ, Herausgeber der Zeitschrift ›neue texte‹ und der ›edition neue texte‹ (zusammen mit Margret Bäcker) und veröffentlichte Gedichte, Essays, Rundfunk- und Katalogbeiträge zur zeitgenössischen Literatur. Heimrad Bäcker starb im Mai 2003.
Sendung:
06. Februar 2004
Brecht-Tage, Lasker Schüler und japanische Märchen
Literaturveranstaltungen vom 09. bis 15. Februar 2004 in Berlin und Potsdam
Berlin (BLK)
Vom Dienstag bis zum Freitag, jeweils um 20.00 Uhr finden Lesungen anlässlich der Brecht-Tage statt. Das Thema lautet ›Brecht und der Krieg. Widersprüche damals, Einsprüche heute‹. Märchenliebhaber sollten sich die Abende am Wochenende freihalten. Barbara Höllfritsch liest am Freitag in Neukölln Märchen berühmter Dichter und am Samstag Märchen von der Macht der Liebe und der Macht der Musik. Am Sonntag präsentiert das Planetarium am Insulaner japanische Märchen und Sagen.
Dienstag 10. Februar 2004
21:00 Uhr: ›Die Panne‹ ›Lauschen & Rauschen‹: Autor: Friedrich Dürrenmatt - Hörspiel, mit einer Perry Rhodan-Folge (Eintritt frei). Sanatorium 23, Frankfurter Allee 23, 10243 Berlin-Friedrichshain.
Freitag 13. Februar 2004
21:00 Uhr: Hörspiel: Die drei ??? vs. Dan Shockers Macabros, Z-Bar, Bergstr. 2, 10115 Berlin-Mitte.
31. Januar 2004
Hörspiel hoch drei - drei Tage lang nichts als Hörspiel: Vom 13. bis zum 15. Februar veranstaltet Schweizer Radio DRS 2 zusammen mit der Gare du Nord ein Hörspielfest in den Räumen des ehemaligen Bahnhofbuffets im Badischen Bahnhof Basel.
Das attraktive Angebot an aktuellen, aber auch älteren Hörspielproduktionen steht unter dem Motto ›Bahnhöfe, Reisen, Grenzen‹. Dazu kommen Begegnungen mit Hörspielschaffenden, Künstlerinnen und Künstlern, die auf diesem Gebiet tätig sind.
Zu erwarten sind etwa die Vorpremiere einer neuen DRS-2-Produktion von Lukas Bärfuss, das musikalische Live-Hörspiel ›Nachtschicht‹ von Ann-Marie Arioli und Simona Ryser, die Videopräsentation ›Auf Tonspuren reisen‹ von und mit Stefan Kaegi sowie Birgit Kempker als ›Sphinx von Pontresina‹.
21. Januar 2004
Am Montag, 19. Januar, ist nach dreijähriger Vorbereitung im Hessischen Rundfunk (hr) der Startschuss für ein außergewöhnliches Projekt gefallen: ›Otherland‹, die 3.500 Seiten starke Fantasy-Saga des amerikanischen Erfolgsautors Tad Williams, ist die größte Hörspielproduktion in der Geschichte der ARD.
›Otherland‹ wird ab Oktober 2004 in YOU FM, der jüngsten Welle des Hessischen Rundfunks, und in der Kulturwelle hr2 zu hören sein.
Das mit Unterstützung des Münchner Hörverlags realisierte Hörspiel wird anlässlich der Frankfurter Buchmesse 2004 in einer öffentlichen Uraufführung vorgestellt. Bis dahin wird der Regisseur Walter Adler das Mammut-Werk von Tad Williams dramaturgisch umsetzen. In den geplanten 24 Hörspiel-Stunden werden über 250 Schauspieler zum Einsatz kommen, darunter Sophie Rois, Ulrich Noethen und Nina Hoss. Das Fantasy-Epos, in dem beispielsweise der ›Zauberer von Oz‹, ›Alice im Wunderland‹, Grimmsche Märchenhelden, Comic-Piraten und Odysseus unterwegs sind, erscheint auch als Hörbuch. Die ersten sechs Stunden von ›Otherland‹ bringt der Hörverlag ab Herbst 2004 als CD-Edition in den Handel.
›Otherland‹ - das ist das virtuelle Universum, in dem Fantasy Realität wird. Felix Jongleur, der älteste Mann der Welt, und eine Gruppe von sehr reichen, sehr mächtigen Männern und Frauen haben ein gigantisches Netzwerk erschaffen. Ihr Ziel ist es, als digitalisierte Wesen in ihrer virtuellen Welt unsterblich zu werden. ›Otherland‹ ist die Erfüllung des größten Menschheitstraums überhaupt, aber es birgt zugleich ein gefährliches Geheimnis. Überall auf der Welt fallen Kinder in ein rätselhaftes Koma. Eine junge südafrikanische Computerspezialistin, ein Buschmann und eine kleine Gruppe Abenteurer dringen gemeinsam in das Netzwerk ein, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.
Deutsche Akademie der darstellenden Künste
12. Januar 2004
Regie: Daniel Wedel, Raumstation
Produktion: WDR 2003 | ca. 53'
Die Vermittlungsagentur ›emotional research‹ zieht mit einem neuen Rezept ins Feld: Psychologisches Matching statt Verkupplung auf Verdacht. Wer einen Partner sucht, wird hier zunächst in weitreichenden persönlichen Tests und tiefenpsychologischen Gesprächen durchleuchtet, um mehr über sich und sein missing link zu erfahren. Nach dieser ›Erstdiagnose‹ beginnt dann die eigentliche Arbeit des Agenten: Er selbst versucht, das geeignete Herz auf dem unüberschaubaren Markt der Liebe zu finden und zu testen. Stellvertretend für den Kunden lernt er mögliche Partner kennen, übernimmt die oft leidvolle erste Begegnung und bahnt so, ohne beschämende Ablehnungen, den Weg für ein erfülltes Liebesleben des Kunden. Mit seinem professionellen Gespür und absoluter Seriosität kann der Agent dem Klienten eine wirkliche Entscheidungshilfe in der Partnerwahl bieten. Dabei muss nicht nur der Agent sich auf so manches Risiko einlassen. Eine reale Geschichte voller Fiktionen: zwischen wahren Sehnsüchten und erfundenen Identitäten, wirklichem Leben und inszenierten Ereignissen.
Daniel Wedel, geboren 1965 in Stockholm, lebt und arbeitet in Dänemark als Autor und Regisseur. Seine Doku-Fiktion ›Polterabend‹, deren dramaturgisches Verfahren auch dieser Produktion zugrunde liegt, erhielt 2001 den Prix Europa.
Ragnhild Sørensen, geboren 1964 in Kopenhagen, und Bob Konrad, geboren 1968 in Heidelberg, sind seit 1993 Köpfe der ›raumstation‹, Produktionsfirma und Brainpool in Berlin. Für verschiedene Sender entwickelten sie interaktive Radiospielformate mit Hörspielcharakter, so auch ›Das TelefonHörerMassaker‹ (WDR).
Aus der Begründung der Jury:
»Die ungewöhnliche Form der vorgetäuschten Reportage vermag er mit viel Authentizität zu füllen. Die Sprecher haben daran maßgeblichen Anteil. Sie gestalten so ›echt‹ und alltagsnah, dass sich der Hörer, so er nicht vorher aufgeklärt wurde, überraschend lang fragt, ob die Geschichte real oder fiktiv ist.«
Sendung:
Hörspiel des Jahres 2004 wurde ›Kein Brief heute, keiner gestern‹ von Matthias Baxtmann (nach Texten von Franz Kafka). Eine Produktion des MDR (Hörspiel des Monats Mai).
Wiederholung: